SecOC am CAN-Bus: Authentisierung statt Verschlüsselung. KI-generiertes Symbolbild · redaktionell geprüft.

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SecOC am CAN-Bus — Authentisierung statt Verschlüsselung erklärt

Ein Diagnosetool meldet einen SecOC-Fehler, die Verkabelung ist unauffällig, und trotzdem verweigert ein Steuergerät die Annahme einer Nachricht. Wer SecOC für eine Verschlüsselung hält, sucht die Ursache am falschen Ende. SecOC prüft, ob eine CAN-Nachricht wirklich vom angegebenen Absender stammt und ob sie aktuell ist — lesbar bleibt sie trotzdem für jeden.

⏱ 11 Min. Lesezeit · Stand: September 2026

Kurz gesagt: SecOC (Secure Onboard Communication) hängt an ausgewählte CAN-Nachrichten einen Message Authentication Code und einen Freshness-Wert an. Beide zusammen beweisen dem Empfänger, dass die Nachricht vom richtigen Absender stammt und nicht wiederholt wurde. Den Inhalt selbst verschlüsselt SecOC nicht — Drehmoment, Bremsdruck oder Lenkwinkel bleiben für jeden mit einem CAN-Logger lesbar. Wer diesen Unterschied kennt, liest einen SecOC-Fehler richtig: als Zustand der Prüfung, nicht als Defekt am Kabel.

Ein Diagnosetool meldet einen SecOC-Fehler — und die Leitung ist in Ordnung

Das Diagnosegerät hängt am OBD-Stecker, die Spannung ist stabil, und trotzdem verweigert ein Steuergerät die Annahme einer eigentlich unauffälligen Nachricht. Im Fehlerspeicher steht ein Hinweis auf eine fehlgeschlagene Authentisierung, nicht auf einen Kurzschluss oder eine unterbrochene Leitung. Wer jetzt beginnt, Stecker nachzumessen und Kabelbäume zu prüfen, verliert Zeit an der falschen Stelle. Der Fehler liegt nicht am physischen Bus, sondern an einer Softwareprüfung, die eine Ebene darüber arbeitet.

Diese Prüfung heißt SecOC, ausgeschrieben Secure Onboard Communication, und sie ist Teil der AUTOSAR-Kommunikationsschicht moderner Steuergeräte. Sie entscheidet, ob eine Nachricht auf dem CAN-Bus als authentisch gilt, bevor ein Empfänger sie weiterverarbeitet. Dieser Beitrag ordnet, was SecOC tatsächlich prüft, wie ein Message Authentication Code und ein Freshness-Wert zusammenwirken, und warum ein Verifikationsfehler etwas anderes ist als ein physikalischer Defekt.

Was SecOC wirklich schützt: Herkunft und Aktualität, nicht Geheimhaltung

Die AUTOSAR-Spezifikation zu SecOC nennt den Zweck der Prüfung wörtlich so: Authentisierung und Integritätsschutz sensibler Daten seien notwendig, um die korrekte und sichere Funktion der Fahrzeugsysteme zu schützen, und das stelle sicher, dass empfangene Daten vom richtigen Steuergerät stammen und den richtigen Wert tragen. Dieser Satz nennt zwei Dinge, keine drei. Er spricht von Herkunft und von Korrektheit des Werts, nicht von Geheimhaltung.

Genau das ist der Kern der Verwechslung, die diesem Beitrag zugrunde liegt. Authentisierung beantwortet die Frage, ob eine Nachricht wirklich von dem Steuergerät stammt, das sie zu senden vorgibt, und ob sie nicht nachträglich verändert wurde. Verschlüsselung beantwortet eine völlig andere Frage: ob ein Dritter den Inhalt überhaupt lesen kann. SecOC beantwortet ausschließlich die erste Frage. Ein CAN-Logger, ein Diagnosetool oder ein simples Abhörgerät am Bus sieht den Drehmomentwert, den Bremsdruck oder den Lenkwinkel weiterhin im Klartext, SecOC ändert daran nichts.

Der Message Authentication Code: wie eine Nachricht ihre Herkunft beweist

Der eigentliche Beweis heißt Authenticator, in der Praxis meist ein Message Authentication Code, kurz MAC. Nach der AUTOSAR-Spezifikation wird dieser Wert aus vier Bestandteilen gebildet: einem geheimen Schlüssel, dem Data Identifier der geschützten Nachricht, der eigentlichen Nutzlast und dem Freshness-Wert. Formal beschreibt die Spezifikation das als Verkettung: Data Identifier, gesicherter Teil der Nutzlast und vollständiger Freshness-Wert werden aneinandergehängt und gemeinsam durch den Authentisierungsalgorithmus geschickt.

Sender und Empfänger teilen sich denselben symmetrischen Schlüssel. Der Sender berechnet den MAC bei jeder Übertragung neu und hängt ihn an die Nachricht an. Der Empfänger führt dieselbe Berechnung unabhängig mit seinem eigenen, identischen Schlüssel durch und vergleicht das Ergebnis. Stimmen beide Werte überein, gilt die Nachricht als authentisch. Weicht auch nur ein einziges Bit der Nutzlast vom Originalzustand ab, verändert sich der berechnete MAC vollständig, und der Vergleich schlägt fehl. Genutzt wird dafür überwiegend CMAC auf Basis von AES-128, ein symmetrisches Verfahren, das die Spezifikation ausdrücklich wegen seiner kleinen Schlüssellänge und seiner effizienten Umsetzung in Software wie Hardware bevorzugt.

Der Freshness-Wert: warum eine echte, aber alte Nachricht trotzdem abgelehnt wird

Ein MAC allein würde ein zentrales Problem nicht lösen. Eine mitgeschnittene, tatsächlich echte Nachricht ließe sich später einfach erneut auf den Bus legen, und der MAC bliebe gültig, weil sich an Absender und Inhalt nichts geändert hat. Dieses Vorgehen heißt Replay-Angriff, und genau dagegen schützt der zweite Baustein von SecOC: der Freshness-Wert.

Der Freshness-Wert ist nach Definition der Spezifikation ein monotoner Zähler, der die Aktualität einer geschützten Nachricht sicherstellt. Realisiert wird er entweder über einen fortlaufenden Nachrichtenzähler, den Freshness Counter, oder über einen Zeitstempel, den Freshness Timestamp. Bereitgestellt wird er von einer eigenen Softwarekomponente, dem Freshness Value Manager, kurz FVM. Wichtig ist die Position dieses Werts in der Formel von oben: Er ist kein Anhängsel neben dem MAC, sondern fließt selbst in dessen Berechnung ein. Eine wiederholte, alte Nachricht trägt zwangsläufig einen veralteten Freshness-Wert, und weil dieser Wert Teil der MAC-Berechnung ist, erzeugt er beim Empfänger einen anderen Vergleichswert als erwartet. Die Nachricht fällt durch, obwohl ihr Inhalt Byte für Byte echt ist.

Secured I-PDU und Authentic I-PDU: wie die geschützte Nachricht aufgebaut ist

AUTOSAR unterscheidet zwei Zustände derselben Nachricht. Die Authentic I-PDU ist die ursprüngliche Nutzlast, etwa ein Drehmomentwunsch oder ein Sensorwert, bevor SecOC etwas hinzufügt. Die Secured I-PDU ist dieselbe Nutzlast, ergänzt um die Authentisierungsinformation, also den gekürzten MAC und den gekürzten Freshness-Wert. Erst in dieser gesicherten Form verlässt die Nachricht das sendende Steuergerät und läuft über den Bus.

Konstruiert wird die Secured I-PDU vom SecOC-Modul selbst, das auf Ebene des PDU-Routers in den AUTOSAR-Kommunikationsstapel eingebunden ist. Für die eigentliche Kryptografie greift SecOC auf den Crypto Service Manager zurück, kurz CSM, während die Laufzeitumgebung, die RTE, den Zugriff auf Schlüssel und Zähler organisiert. Auf der Empfängerseite läuft derselbe Weg rückwärts: Das SecOC-Modul zieht die Authentisierungsinformation von der Nutzlast ab, berechnet den erwarteten MAC neu und gibt bei einem Treffer erst die enthaltene Authentic I-PDU an die höheren Softwareschichten weiter.

Warum der Inhalt trotzdem für jeden lesbar bleibt

An dieser Stelle lohnt der Blick auf das, was in der ganzen Kette fehlt: eine Verschlüsselung. Die Authentic I-PDU, also die eigentliche Nutzlast, wird an keiner Stelle in Geheimtext umgewandelt. Sie steht weiterhin unverändert im Datenfeld der CAN-Nachricht, ergänzt lediglich um zusätzliche Bytes für MAC und Freshness-Wert. Ein Werkstatt-Tester, ein CAN-Logger oder ein einfaches Abhörgerät am Bus liest Drehmoment, Bremsdruck oder Lenkwinkel deshalb weiterhin im Klartext, exakt wie ohne SecOC.

Der Unterschied zeigt sich erst, sobald jemand versucht, eine eigene Nachricht einzuspeisen, die ein Steuergerät als echt akzeptieren soll. Ohne den passenden Schlüssel lässt sich kein MAC berechnen, der beim Empfänger den Vergleich besteht, unabhängig davon, wie plausibel der eingespeiste Wert inhaltlich wirkt. Genau diese Eigenschaft macht den Unterschied zwischen Authentisierung und Verschlüsselung praktisch bedeutsam: SecOC verbirgt nichts, aber es erschwert gezielt das Fälschen und Wiedereinspielen von Nachrichten auf geschützten Kommunikationspfaden. Eine Anleitung zum Erzeugen oder Umgehen gültiger Authentisierungswerte liefert dieser Beitrag bewusst nicht, weil er Systemlogik erklärt und keine Eingriffsanleitung ist.

Drei Profile, ein Kompromiss: wie MAC und Freshness-Wert gekürzt werden

Ein vollständiger CMAC auf Basis von AES-128 ist 16 Byte lang, doppelt so viel wie das gesamte Datenfeld einer klassischen CAN-Nachricht mit acht Byte Nutzlast. Ein vollständiger MAC neben dem eigentlichen Signal würde also gar nicht auf den Bus passen. Die AUTOSAR-Spezifikation löst das über Kürzung, englisch Truncation, und definiert dafür drei feste Profile mit unterschiedlichen Längen für den gekürzten MAC und den gekürzten Freshness-Wert.

Profil 1 verwendet einen auf 24 Bit gekürzten MAC zusammen mit einem auf 8 Bit gekürzten Freshness-Wert. Profil 2 verwendet ebenfalls einen 24-Bit-MAC, verzichtet aber vollständig auf einen mitgesendeten Freshness-Wert, und die Spezifikation schreibt ausdrücklich vor, dieses Profil nur zu verwenden, wenn kein synchronisierter Freshness-Wert etabliert werden kann. Profil 3, auch JASPAR-Profil genannt, kürzt den MAC auf 28 Bit und den Freshness-Wert auf 4 Bit, arbeitet mit einer Master-Slave-Synchronisation und ist laut Spezifikation gezielt für den Einsatz auf CAN vorgesehen. Welches Profil ein Fahrzeughersteller je Nachricht konfiguriert, ist eine Entwicklungsentscheidung und variiert zwischen Baureihen und Steuergeräten.

Der Schlüssel: warum er nie auf dem Bus steht

Der symmetrische Schlüssel, mit dem Sender und Empfänger denselben MAC berechnen, wird selbst zu keinem Zeitpunkt über den CAN-Bus übertragen. Er liegt vorab in beiden beteiligten Steuergeräten, verwaltet über die Laufzeitumgebung und die kryptografischen Dienste des Crypto Service Managers. Wie genau ein Schlüssel in ein Steuergerät gelangt, wie er gegen Auslesen geschützt wird und welche Rolle dabei ein Hardware-Sicherheitsmodul oder eine vertrauenswürdige Startkette spielt, ist ein eigenes Themenfeld der Fahrzeug-Cybersecurity und wird hier nicht vertieft.

Für das Verständnis von SecOC reicht die Funktionsebene: Ohne Kenntnis dieses Schlüssels lässt sich kein gültiger Authenticator für eine geschützte Nachricht berechnen, egal wie genau der Aufbau der Secured I-PDU bekannt ist. Der Bus selbst verrät den Schlüssel an keiner Stelle, weil dort ausschließlich das Ergebnis der Berechnung sichtbar wird, nie ihre Eingabe.

Wenn die Prüfung fehlschlägt: kein Kabelfehler, sondern ein definierter Zustand

Was passiert, wenn die Prüfung beim Empfänger scheitert, ist in der Spezifikation genau festgelegt, und dieser Ablauf erklärt, warum ein SecOC-Fehler selten etwas mit der Verkabelung zu tun hat. Schlägt die Freshness-Prüfung fehl, erhöht das SecOC-Modul einen internen Zähler für Authentisierungsversuche. Erreicht dieser Zähler die konfigurierte Grenze, verwirft das Modul die betroffene Nachricht endgültig und meldet den Fehler als Freshness-Failure an die interne Fehlerverfolgung. Unabhängig davon meldet eine gescheiterte oder erfolgreiche Verifikation einer Secured I-PDU zusätzlich einen eigenen Zustand an das Diagnose-Ereignismanagement des Fahrzeugs, jenen Teil der Software, der später auch die im Werkstattgerät sichtbaren Fehlercodes verwaltet.

Diese ganze Kette läuft ausschließlich in Software ab, oberhalb der physischen Bitübertragung. Ein besonders alltagsnaher Auslöser zeigt das deutlich: Wird die Fahrzeugbatterie abgeklemmt, etwa bei einer Werkstattarbeit oder einer Nachrüstung, kann der Freshness-Zustand einzelner Steuergeräte zurückgesetzt werden. Die Synchronisation zwischen einem führenden und den beteiligten Steuergeräten arbeitet dabei laut Spezifikation mit eigenen Zählern für Fahrt, Reset und Nachricht, die nach einem solchen Ereignis erst neu abgeglichen werden müssen. Bis dieser Abgleich abgeschlossen ist, können geschützte Nachrichten vorübergehend abgelehnt werden, obwohl der Bus elektrisch vollkommen unauffällig arbeitet. Wer das nicht kennt, jagt einem Kabelfehler hinterher, der nie existiert hat.

SecOC, Secure Gateway und Secure Boot: drei getrennte Aufgaben

Drei Begriffe aus der Fahrzeug-Cybersecurity werden in der Praxis häufig vermischt, obwohl sie unterschiedliche Ebenen betreffen. Secure Boot prüft beim Start eines Steuergeräts, ob dessen Software unverändert und vertrauenswürdig ist, bevor sie überhaupt ausgeführt wird. Ein Secure Gateway entscheidet, welche Diagnosezugriffe und welche Kommunikationswege zwischen Steuergeräten überhaupt erlaubt sind, und verlangt dafür häufig eine eigene Freigabe. SecOC arbeitet auf einer dritten Ebene: Es prüft nicht den Startzustand eines Steuergeräts und nicht die Berechtigung eines Zugriffswegs, sondern ausschließlich, ob eine einzelne, bereits übertragene Nachricht echt und aktuell ist.

Diese drei Mechanismen laufen unabhängig voneinander. Ein Steuergerät kann einen einwandfreien Secure-Boot-Zustand haben und trotzdem eine SecOC-Nachricht ablehnen, wenn deren Freshness-Wert nicht passt. Ein Diagnosezugriff kann über das Secure Gateway freigegeben sein, ohne dass das etwas an der Authentisierung der laufenden Buskommunikation ändert. Wer einen Fehler einer dieser drei Ebenen zuschreibt, ohne die anderen beiden auszuschließen, verwechselt Schutzmechanismen, die auf dem Papier ähnlich klingen, aber technisch nichts miteinander zu tun haben.

Was ein Nachrüstteil mit SecOC-geschützten Nachrichten zu tun hat

Für ein reines Auslesegerät, das Werte nur mitliest und selbst nichts auf den Bus sendet, ändert SecOC praktisch nichts. Der Inhalt bleibt lesbar, ein Logger zeichnet ihn unverändert auf, ganz gleich, ob die zugehörige Nachricht zusätzlich authentisiert ist oder nicht. Anders sieht es bei einem Nachrüstteil aus, das aktiv einen Wert auf einem geschützten Kommunikationspfad einspeisen oder verändern müsste, damit ein Steuergerät ihn übernimmt. Genau für diesen Fall ist SecOC nach eigener Zweckbeschreibung der AUTOSAR-Spezifikation als ressourcenschonender, praxistauglicher Zusatzschutz für bestehende Systeme konzipiert worden, ohne dabei die übrige Kommunikation spürbar zu belasten.

Praktisch bedeutet das: Ein Steuergerät, das eine bestimmte Nachricht als SecOC-geschützt erwartet, nimmt einen unpassend authentisierten oder unauthentisierten Ersatzwert nicht als echt an, selbst wenn Format und Dateninhalt korrekt aussehen. Für die Arbeit an einem nachgerüsteten Fahrzeug folgt daraus vor allem eine Dokumentationspflicht statt einer Bastelanleitung. Wer erkennt, dass eine bestimmte Nachricht authentisiert ist, hält das fest, statt sie unbeachtet zu lassen, und prüft nach jedem größeren Eingriff, ob ein zuvor unauffälliges Steuergerät neue Verifikationsfehler zeigt. Und nach jedem Abklemmen der Batterie gehört ein kurzer Blick auf den Fehlerspeicher zur Routine, bevor ein neuer Fehler vorschnell einem eingebauten Bauteil zugeschrieben wird.

Regulatorischer Rahmen: wo Softwareänderungen an sicherheitsrelevanten Systemen stehen

Cybersecurity in Fahrzeugen ist inzwischen kein rein technisches Thema mehr, sondern auch ein geregeltes. ISO/SAE 21434 beschreibt Cybersecurity als Aufgabe über den gesamten Lebenszyklus elektrischer und elektronischer Systeme, von der Entwicklung bis zur Außerbetriebnahme, und steht 2026 unter einer laufenden turnusmäßigen Überprüfung, ohne dass bereits eine neue Ausgabe feststeht. Auf Genehmigungsseite ergänzen die UN-Regelungen Nr. 155 und Nr. 156 den organisatorischen Rahmen für Cybersecurity-Managementsysteme und für kontrollierte Software-Updates, und auch hier laufen 2026 weiterhin Änderungs- und Umsetzungsarbeiten in mehreren Rechtsräumen. Ein Entwurfsstand wird deshalb in diesem Beitrag nicht als bereits geltende Endfassung behandelt.

Wer softwareseitig in eine Kommunikationsschicht eingreift, die solche Sicherheits- und Authentisierungsfunktionen trägt, verändert damit möglicherweise mehr als nur einen einzelnen Wert im Fahrzeugverhalten. Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung behandelt Softwareänderungen an einem zugelassenen Fahrzeug ausdrücklich, nicht nur den Tausch von Hardware, und genau darauf zielt die Kette aus Genehmigung, Auflagen und Abnahme, die weiter unten belegt ist.

Umbauten am eigenen Fahrzeug. Ob ein Umbau auf öffentlichen Straßen betrieben werden darf, entscheidet der Genehmigungszustand des Fahrzeugs — die Genehmigung des Teils, der Einbau nach ihren Auflagen und, wo nötig, die Abnahme durch eine dafür zuständige Stelle. Solange diese Kette nicht vollständig ist, gehört der Umbau auf Privatgelände, Testflächen und in nicht öffentliche Bereiche.

Welche Norm dabei konkret greift und welchen Wortlaut sie trägt, steht ausführlich im Einordnungsblock am Ende dieses Beitrags. Für diesen Abschnitt zählt der Grundsatz: Eine Änderung, die sicherheitsrelevante Kommunikation berührt, kann die genehmigte Fahrzeugart oder eine Gefährdungslage so verändern, dass die Betriebserlaubnis betroffen ist, und Softwareänderungen sind davon ausdrücklich nicht ausgenommen.

Merksatz: SecOC beweist Herkunft und Aktualität einer CAN-Nachricht, nicht ihre Geheimhaltung. Der Message Authentication Code zeigt, dass eine Nachricht vom richtigen Absender stammt und unverändert ist, der Freshness-Wert zeigt, dass sie nicht einfach eine alte, wiederholte Nachricht ist. Beide zusammen verhindern Fälschung und Wiedereinspielen, aber sie verbergen den Inhalt zu keinem Zeitpunkt. Ein SecOC-Verifikationsfehler ist deshalb fast immer ein Softwarezustand, kein Kabelfehler — und nach einem Abklemmen der Batterie gehört er zur erwartbaren Routine, bis die Freshness-Synchronisation neu abgeglichen ist.

Häufige Fragen

Verschlüsselt SecOC die Daten auf dem CAN-Bus?

Nein. SecOC prüft ausschließlich Herkunft und Aktualität einer Nachricht über einen Message Authentication Code und einen Freshness-Wert. Der eigentliche Inhalt, etwa ein Drehmoment- oder Sensorwert, bleibt unverändert im Klartext und ist mit einem CAN-Logger weiterhin lesbar.

Was ist der Unterschied zwischen dem Message Authentication Code und dem Freshness-Wert?

Der Message Authentication Code beweist, dass eine Nachricht vom richtigen Absender stammt und unterwegs nicht verändert wurde. Der Freshness-Wert, ein monotoner Zähler oder Zeitstempel, fließt in dieselbe Berechnung ein und verhindert, dass eine alte, aufgezeichnete Nachricht später einfach wiederholt wird.

Kann ein Diagnosetool eine SecOC-geschützte Nachricht trotzdem auslesen?

Ja. Auslesen und Authentisieren sind zwei unabhängige Vorgänge. Ein Diagnosetool oder ein Logger sieht den unverschlüsselten Inhalt der Nachricht genauso wie ohne SecOC, nur das Erzeugen einer eigenen, vom Steuergerät akzeptierten Nachricht setzt den passenden Schlüssel voraus.

Warum meldet ein Steuergerät nach einem Batterie-Abklemmen plötzlich einen SecOC-Fehler?

Der Freshness-Zustand einzelner Steuergeräte kann durch das Abklemmen zurückgesetzt werden. Bis die Synchronisation zwischen den beteiligten Steuergeräten neu abgeglichen ist, können geschützte Nachrichten vorübergehend abgelehnt werden, obwohl der Bus elektrisch unauffällig arbeitet.

Ist ein SecOC-Verifikationsfehler dasselbe wie ein Leitungsfehler?

Nein. Ein Verifikationsfehler entsteht in der Softwareprüfung oberhalb der physischen Bitübertragung und wird über eigene Zähler und Meldungen an das Diagnose-Ereignismanagement gemeldet. Ein Leitungsfehler betrifft dagegen die elektrische Ebene, und beide Fehlerarten erfordern unterschiedliche Prüfschritte.

Welche SecOC-Profile gibt es, und warum unterscheiden sie sich?

AUTOSAR definiert drei feste Profile mit unterschiedlich gekürztem Authentisierungscode und Freshness-Wert, weil ein vollständiger Code nicht in das kurze Datenfeld einer klassischen CAN-Nachricht passt. Welches Profil eine bestimmte Nachricht verwendet, legt der Fahrzeughersteller in der Entwicklung fest.

Trägt jede CAN-Nachricht im Fahrzeug einen SecOC-Schutz?

Nein. SecOC wird gezielt für ausgewählte, sicherheits- oder integritätsrelevante Nachrichten konfiguriert, nicht pauschal für den gesamten Bus. Welche Nachrichten das im Einzelnen sind, legt der jeweilige Fahrzeughersteller fest und veröffentlicht das in der Regel nicht.

Was bedeutet ein Eingriff in SecOC-geschützte Kommunikation für die Zulassung eines Fahrzeugs?

Eine Softwareänderung, die sicherheitsrelevante Kommunikation berührt, kann die Betriebserlaubnis betreffen, ohne dass ein Bauteil getauscht wird. Ob das Fahrzeug danach noch auf öffentlichen Straßen bewegt werden darf, hängt von einer vollständigen Genehmigungskette ab, die im Einordnungsblock erläutert ist.

Einordnung: wo die Angaben herkommen

Die Fundstellen stehen hier gebündelt, damit der Fließtext ohne Normzitate und Spezifikationsverweise auskommt. Die AUTOSAR-Spezifikation ist am 18.09.2026 am amtlichen Angebot des Herausgebers beschafft und im Volltext gegengelesen worden, der Normtext zu § 19 StVZO am selben Tag am amtlichen Angebot.

Funktionsweise von SecOC — AUTOSAR-Spezifikation
  • AUTOSAR, „Specification of Secure Onboard Communication“, Classic Platform, Release R25-11, beschafft und im Volltext gegengelesen am 18.09.2026, Spezifikationsdokument, nicht verlinkt. Zum Zweck wörtlich: „Authentication and integrity protection of sensitive data is necessary to protect correct and safe functionality of the vehicle systems – this ensures that received data comes from the right ECU and has the correct value.“
  • Dieselbe Quelle zur Bildung des Authentisierungscodes, wörtlich: „The Authenticator (e.g. MAC) refers to a unique authentication data string generated using a Key, Data Identifier of the Secured I-PDU, Authentic Payload, and Freshness Value.“ Sowie zur Formel: „DataToAuthenticator = Data Identifier | secured part of the Authentic I-PDU | Complete Freshness Value.“
  • Dieselbe Quelle zur Kürzung, wörtlich: „it may be possible to truncate the resulting Authenticator (e.g. in case of a MAC) generated by the authentication algorithm. Truncation may be desired when the message payload is limited in length and does not have sufficient space to include the full Authenticator.“
  • Dieselbe Quelle zu den drei Profilen: Profil 1 („24Bit-CMAC-8Bit-FV“) nutzt 24 Bit gekürzten MAC und 8 Bit gekürzten Freshness-Wert auf CMAC-AES-128-Basis. Profil 2 („24Bit-CMAC-No-FV“) nutzt denselben MAC-Umfang ganz ohne Freshness-Wert und ist laut Spezifikation nur zulässig, „if no synchronized freshness value is established“. Profil 3 („JASPAR“) nutzt 28 Bit gekürzten MAC und 4 Bit gekürzten Freshness-Wert mit Master-Slave-Synchronisation und ist laut Spezifikation ausdrücklich „for CAN“ vorgesehen.
  • Dieselbe Quelle zum Freshness-Wert: „The Freshness Value refers to a monotonic counter that is used to ensure freshness of the Secured I-PDU“, realisiert über Freshness Counter oder Freshness Timestamp, bereitgestellt vom Freshness Value Manager (FVM). Die Synchronisation bei gekürztem Freshness-Wert verwendet laut Spezifikation unter anderem einen Trip Counter und einen Reset Counter, deren Wert nach einem Rücksetzereignis neu abgeglichen wird.
  • Dieselbe Quelle zur Fehlerbehandlung: Bei fehlgeschlagener Freshness-Prüfung wird der Authentisierungsversuchszähler erhöht, nach Erreichen der konfigurierten Grenze die Nachricht verworfen und „SECOC_E_FRESHNESS_FAILURE shall be reported to the DET module“. Unabhängig davon meldet das SecOC-Modul den Ausgang einer Verifikation als eigenen Ereigniszustand an das Diagnose-Ereignismanagement des Fahrzeugs.
  • Nicht belegt und deshalb nicht behauptet: Welches Profil, welcher Schlüsseltyp und welche konkreten Nachrichten ein bestimmtes Serienfahrzeug einsetzt, nennt die Spezifikation nicht — das ist eine Entwicklungsentscheidung des jeweiligen Herstellers und wird dort nicht veröffentlicht. Details zu Schlüsselerzeugung, Schlüsselspeicherung und Hardware-Sicherheitsmodulen sind nicht Gegenstand dieser Spezifikation und werden hier deshalb nicht behauptet.
Regulatorischer Rahmen — ISO/SAE 21434 und UN-Regelungen
  • ISO, „ISO/SAE 21434:2021 — Road vehicles — Cybersecurity engineering“, Ausgabe 1, 2021, Normauskunft des ISO-Katalogs, nicht verlinkt. Definiert Cybersecurity-Engineering-Anforderungen über den gesamten Lebenszyklus elektrischer und elektronischer Fahrzeugsysteme. Am 18.09.2026 im ISO-Katalog als „unter turnusmäßiger Überprüfung“ mit Prüfdatum 15.07.2026 geführt, ohne dass eine neue Ausgabe feststeht.
  • UN-Regelung Nr. 155 (Cybersecurity-Managementsystem) und UN-Regelung Nr. 156 (Software-Update-Managementsystem), amtliche Typgenehmigungsregelungen der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa. Am 18.09.2026 belegt: Beide Regelungen sind in mehreren Rechtsräumen Gegenstand laufender Änderungs- und Phase-in-Arbeiten für 2026, unter anderem zu Anwendungsstichtagen für neue Fahrzeugtypen.
  • Nicht behauptet: Ein konkreter, bereits verbindlicher Endstand der 2026 laufenden Änderungsarbeiten an ISO/SAE 21434, UN R155 oder UN R156 wird hier nicht genannt, weil zum Stand dieses Beitrags keiner davon abschließend vorliegt.
Zulassungsrechtliche Einordnung — § 19 StVZO, auch für Softwareänderungen
  • § 19 StVZO, amtliche Überschrift „Erteilung und Wirksamkeit der Betriebserlaubnis“, am 18.09.2026 am amtlichen Angebot gegengelesen.
  • Absatz 2 Satz 2, wörtlich: „Sie erlischt, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die 1. die in der Betriebserlaubnis genehmigte Fahrzeugart geändert wird, 2. eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist oder 3. das Abgas- oder Geräuschverhalten verschlechtert wird.“ Ein Eingriff in eine sicherheitsrelevante, authentisierte Kommunikationsschicht kann insbesondere unter Nummer 2 fallen, wenn er die Zuverlässigkeit sicherheitsrelevanter Nachrichten im Fahrzeug beeinträchtigt.
  • Absatz 2 nennt zusätzlich ausdrücklich Software, wörtlich: „Für Softwareänderungen von im Verkehr befindlichen Fahrzeugen sind zusätzlich die hierzu amtlich bekannt gemachten Vorschriften zur Durchführung sowie der Stand der Technik zu beachten. Softwareänderungen nicht genehmigungspflichtiger Erweiterungen sind hiervon nicht betroffen.“ Ein Eingriff in eine Kommunikationsschicht wie SecOC ist eine solche Softwareänderung, auch wenn kein Bauteil getauscht wird.
  • Absatz 3 Satz 1 nennt die Ausnahme für Teile, wörtlich: „Abweichend von Absatz 2 Satz 2 erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs jedoch nicht, wenn bei Änderungen durch Ein- oder Anbau von Teilen“ bestimmte Bedingungen erfüllt sind, insbesondere eine für das Teil vorliegende amtliche Genehmigung und ein Einbau nach ihren Auflagen. Genau diese Bedingung trägt die Pflichtformel dieses Beitrags.
  • Nicht behandelt: Ob eine bestimmte Softwareänderung im Einzelfall über eine Teilegenehmigung oder nur über eine Einzelabnahme nach § 21 StVZO nachgewiesen werden kann, hängt vom konkreten Fahrzeug und Softwarestand ab und wird hier nicht pauschal beantwortet.
Was hier nicht belegt ist und deshalb fehlt
  • Eine Anleitung zum Erzeugen, Extrahieren oder Fälschen von Schlüsseln, Authentisierungscodes oder Freshness-Werten wird bewusst nicht gegeben; dieser Beitrag beschreibt Systemlogik und Diagnoseeinordnung, keine Eingriffsanleitung.
  • Welche konkreten Nachrichten, Profile und Schlüsselverfahren ein bestimmtes Serienfahrzeug tatsächlich einsetzt, ist herstellerabhängig und wird von der zitierten Spezifikation nicht offengelegt — dieser Beitrag beschreibt das allgemeine Funktionsprinzip, keine modellspezifische Implementierung.
  • Details zu Schlüsselerzeugung, Schlüsselspeicherung, Secure Boot und Hardware-Sicherheitsmodulen sind eigene Themenfelder der Fahrzeug-Cybersecurity und werden hier nicht vertieft.
  • Ob ein konkreter Verifikationsfehler im Einzelfall tatsächlich auf ein Freshness-Resynchronisationsproblem zurückgeht oder eine andere Ursache hat, lässt sich nur am realen Fahrzeug mit Zugriff auf die Diagnosedaten aller beteiligten Steuergeräte klären, nicht allgemein aus diesem Beitrag.

TL Redaktion tuning-lizenz.de – neutrale Einordnung zu Recht, Technik und Nutzung.

Hinweis: Dieser Beitrag liefert allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr (Stand: September 2026).

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