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Vibration bei bestimmter Geschwindigkeit: Unwucht, Lager oder Welle?
Eine Vibration, die erst ab einem bestimmten Tempo auftaucht, hat eine andere Ursachenkette als eine, die mit dem Gaspedal wächst. Hier liest du, wie du Radunwucht, Reifenschaden, Radlager, Antriebswelle und einen veränderten Übertragungsweg über Motor- und Getriebelager systematisch auseinanderhältst.
Kurz gesagt: Eine Vibration, die bei jedem Gang an dieselbe Geschwindigkeit gebunden bleibt, kommt meist vom Rad oder vom Reifen. Ändert sie sich mit der Motordrehzahl, gehört sie eher zum Antriebsstrang. Wie stark du sie spürst, hängt zusätzlich von Motor- und Getriebelagern ab, und davon, ob du gerade nahe einer Resonanzstelle fährst.
Warum eine Vibration an ein Tempo gebunden ist
Manche Vibration hat nichts mit Gasgeben zu tun, sie fehlt bei niedrigem Tempo komplett. Zwischen einer bestimmten Marke und einer etwas höheren wird sie spürbar, und sie bleibt dann fast gleich, egal wie sanft oder kräftig du beschleunigst. Das ist ein eigenes Muster mit einer eigenen Ursachenkette, anders als eine Vibration, die mit der Last am Antriebsstrang wächst.
Der Grund liegt in der Physik: Eine Unwucht erzeugt eine Fliehkraft, die mit dem Quadrat der Drehzahl wächst, nicht linear. Bei geringem Tempo ist diese Kraft oft zu klein, um aufzufallen, bei höherem Tempo wird sie schnell spürbar. So wirkt eine Radunwucht wie ein Effekt, der erst „ab einer bestimmten Geschwindigkeit“ beginnt, obwohl die Ursache die ganze Zeit da war.
Für die Diagnose hilft ein einfaches Bild mit vier Stationen: Es gibt eine Quelle, die dreht, dazwischen sitzt ein elastisches Bauteil. Von dort führt ein Übertragungsweg zur Karosserie, und du bist am Ende der Empfänger, der die Vibration im Lenkrad, im Sitz oder als Geräusch spürt. Jede dieser vier Stationen kann der eigentliche Grund sein, warum eine kleine Bewegung am Rad im Innenraum groß ankommt.
Das Symptom sauber eingrenzen
Bevor du eine Ursache vermutest, lohnt sich eine genaue Beschreibung. Notiere die Geschwindigkeit, bei der die Vibration beginnt, und ob sie mit steigendem Tempo stärker wird. Sitzt sie im Lenkrad, im Sitz, im Boden oder im ganzen Fahrzeug? Achte zusätzlich darauf, ob sie beim Bremsen anders wird, bei Nässe oder Kälte auffälliger ist, und ob sie bei jeder Fahrt gleich reproduzierbar ist.
Wichtig ist außerdem eine Unterscheidung: Ein periodisches Rütteln fühlt sich wie ein Takt an, ein gleichmäßiges Brummen hat dagegen keinen erkennbaren Rhythmus. Ein Takt deutet fast immer auf eine rotierende Quelle hin, ein reines Brummen kann dagegen auch ein Resonanzeffekt oder ein Luftschallproblem sein. Halte deine Beobachtungen schriftlich fest, denn ein einziger subjektiver Eindruck reicht später nicht aus, um eine Reparatur wirklich zu bestätigen.
Der Gangtest: die Quelle grob eingrenzen
Der einfachste Test läuft ohne Messgerät. Du wechselst bei exakt gleicher Geschwindigkeit auf einer sicheren, geraden Strecke den Gang. Bleibt die Vibration dabei unverändert, egal welcher Gang eingelegt ist und wie hoch die Motordrehzahl gerade steht, dann hängt sie an der Raddrehzahl selbst. Ändert sie sich dagegen deutlich, wenn du bei gleichem Tempo einen anderen Gang wählst, steckt die Quelle eher im Antriebsstrang.
Eine Ergänzung ist der Ausrolltest: Im Leerlauf oder mit ausgekuppelter Kupplung lässt du das Fahrzeug genau bei der auffälligen Geschwindigkeit rollen. Bleibt die Vibration dabei bestehen, kommt sie vom Rad, vom Reifen oder von der Straße, nicht vom Motor oder vom Getriebe. Beide Tests gehören nur auf freie, sichere Straßen ohne Verkehr, niemals in dichten Verkehr oder auf eine Strecke, wo plötzliches Bremsen anderer gefährlich würde.
| Verdächtiger | Bindung an | Beim Gangwechsel | In der Kurve |
|---|---|---|---|
| Radunwucht | reine Raddrehzahl | bleibt gleich | bleibt meist gleich |
| Reifenschaden | reine Raddrehzahl | bleibt gleich | bleibt meist gleich |
| Radlager | Raddrehzahl, oft höhere Frequenz | bleibt gleich | verändert sich oft hörbar |
| Kardan-/Antriebswelle | Motordrehzahl über die Übersetzung | ändert sich | meist unverändert |
Radunwucht als häufigste Ursache
Eine Radunwucht entsteht, wenn die Masse eines Rads nicht gleichmäßig um die Drehachse verteilt ist. Häufige Auslöser sind ein verlorenes Auswuchtgewicht, eine Bordsteinberührung oder eine ungleichmäßige Reifenabnutzung. Bei statischer Unwucht schwingt das ganze Rad wie eine Schaukel auf und ab, bei dynamischer Unwucht taumelt es zusätzlich, was besonders am Lenkrad auffällt. Beide Formen wachsen exakt mit der Raddrehzahl und damit direkt mit der Fahrgeschwindigkeit.
Für das professionelle Auswuchten von Rotoren gibt es mit ISO 21940-11 eine anerkannte Toleranzmethodik aus der industriellen Fertigung, diese Norm liefert aber keine Komfort- oder Grenzwertangabe für den Fahrzeuginnenraum. Sie beschreibt lediglich, wie ein starrer Rotor mess- und bewertungstechnisch ausgewuchtet wird. Für die Praxis heißt das: Eine Auswuchtmaschine in der Werkstatt korrigiert die Unwucht direkt am Rad. Dabei spielt es keine Rolle, welche Zahl eine Industrienorm für ganz andere Anwendungen nennt.
Reifenschaden als Unwucht-Doppelgänger
Ein beschädigter Reifen kann sich fast identisch anfühlen wie eine klassische Unwucht, weil auch er mit der Raddrehzahl rotiert. Eine innere Gürtelablösung ist von außen oft nicht zu sehen, ein Flachstand nach längerem Stehen mit Last ebenfalls nicht. Beide wirken wie eine zusätzliche Masseverteilung am rotierenden Rad. Auch ein deutlich ungleichmäßiges Profilbild kann einen ähnlichen Effekt haben, besonders wenn die Abnutzung einseitig fortgeschritten ist.
Der einfachste Weg zur Bestätigung ist der Tausch. Wandert die Vibration mit dem Rad, wenn du es an eine andere Achse oder Seite montierst, liegt die Ursache im Reifen. Bleibt sie dagegen an derselben Ecke des Fahrzeugs, spricht das eher für die Nabe, das Lager oder das Bremssystem an genau dieser Position.
Radlager: ein anderes Frequenzmuster
Ein verschlissenes Radlager rotiert ebenfalls mit der Raddrehzahl, erzeugt aber meist ein anderes Klangbild als eine reine Unwucht. Statt eines sauberen, gleichmäßigen Ruckelns entsteht häufig ein Brummen oder Summen, das mit steigendem Tempo lauter wird und seine Tonhöhe verändert. Weil im Lager mehrere Bauteile aufeinander abrollen, treten dabei manchmal auch Frequenzanteile auf, die kein einfaches Vielfaches der Raddrehzahl sind.
Ein wichtiger Unterschied zeigt sich in der Kurve: Ein beschädigtes Lager wird beim Lenken zusätzlich belastet und ändert dabei oft hörbar seine Lautstärke. Eine reine Unwucht bleibt dagegen meist unverändert. Außerdem entwickelt sich ein Lagerschaden fast immer langsam über Wochen oder Monate, während eine Unwucht typischerweise plötzlich auftritt, etwa nach einem harten Schlag gegen den Bordstein.
Kardanwelle und Antriebswelle
Kardanwelle und Antriebswelle drehen nicht direkt mit dem Rad, ihre Drehzahl ist über die Getriebeübersetzung mit dem Motor gekoppelt. Deshalb ändert sich ihre Frequenz bei gleicher Fahrgeschwindigkeit, sobald du den Gang wechselst. Genau das unterscheidet sie im Gangtest von reinen Radquellen, und genau deshalb ist dieser Test so nützlich, ganz ohne Messgerät.
Wächst eine Vibration dagegen sichtbar mit dem Gaspedal bei gleichbleibender Geschwindigkeit, also mit der Last und nicht nur mit dem Tempo, gehört sie in eine andere Diagnosekette. Diese betrachtet Antriebswelle, Kardanwelle und Radlager unter Zug und Schub. Dieser Beitrag bleibt bewusst beim rein geschwindigkeitsgebundenen Fall und wiederholt diese Last-Methodik nicht, weil sie eine eigene, ausführlichere Betrachtung braucht.
Motor- und Getriebelager als Übertragungsweg
Nicht jede spürbare Vibration entsteht neu, manche wird nur lauter, weil sich der Weg zur Karosserie verändert hat. Motor- und Getriebelager sind elastische Bauteile, die die Bewegung des Aggregats begrenzen und gleichzeitig Schwingungen dämpfen, bevor sie in die Karosserie gelangen. Ein Lager kann dabei in eine Richtung steifer sein und in eine andere weicher, je nachdem, ob Gummi, Polyurethan oder eine hydraulisch gedämpfte Bauweise verwendet wird.
Reißt ein Lager oder verliert es seine hydraulische Flüssigkeit, ändert sich seine Vorspannung, und damit auch, wie viel von einer vorhandenen kleinen Schwingung tatsächlich im Innenraum ankommt. Das erklärt ein häufiges Muster: Eine Vibration, die vorher kaum auffiel, wird plötzlich bei einer bestimmten Geschwindigkeit deutlich spürbar, obwohl sich an der eigentlichen Quelle gar nichts geändert hat. Ein zusätzlicher Hinweis auf Motor- oder Getriebelager ist Spiel im Stand oder ein Ruck beim Anfahren.
Resonanz: das schmale Tempo-Fenster
Jede Struktur im Fahrzeug besitzt eigene Frequenzen, bei denen Karosserie, Subrahmen und Antriebsstrang besonders stark auf eine Anregung reagieren. Steigt die Geschwindigkeit, wandert die Frequenz einer rotierenden Quelle stetig nach oben. Trifft sie genau auf eine solche Eigenfrequenz, kann eine an sich kleine Ursache eine überraschend starke Reaktion auslösen. Oberhalb und unterhalb dieses schmalen Fensters wird sie dagegen wieder deutlich schwächer.
Das erklärt, warum manche Vibration nur zwischen zwei eng beieinanderliegenden Geschwindigkeiten stark spürbar ist. Wer daraus schließt, die Ursache sei besonders schwerwiegend, liegt oft daneben. An einer Resonanzstelle sagt die gefühlte Lautstärke wenig über die tatsächliche Stärke der Quelle. Eine gute Diagnose bewertet deshalb Quelle, Übertragungsweg und Empfänger getrennt, statt aus der Wahrnehmung direkt auf die Ursache zu schließen.
Was ein Messgerät zeigt, das Gefühl nicht
Eine Auswuchtmaschine misst die Unwucht eines Rads direkt und korrigiert sie mit passenden Gewichten an der richtigen Position. Für eine reine Radunwucht ist das die passgenaue Lösung. Für komplexere Fälle nutzt eine Werkstatt zusätzlich Beschleunigungssensoren an mehreren Punkten, etwa an der Radnabe, am Aggregat und im Innenraum, kombiniert mit der tatsächlichen Drehzahl eines konkret benannten Bauteils. So lässt sich eine gemessene Frequenz einer bestimmten Quelle zuordnen, statt sie nur als isolierten „Hertz-Wert“ zu betrachten.
Ein Vorbehalt gilt für Messungen am ausgebauten Bauteil. Ein Lager oder eine Buchse auf der Werkbank verhält sich nicht automatisch wie im eingebauten Zustand, Vorspannung, Last und Temperatur fehlen dort. Für eine verlässliche Diagnose gehört die Messung deshalb möglichst nah an die reale Einbausituation, mit Vorspannung, Richtung und Betriebszustand als Teil des Protokolls.
Wenn ein nachgerüstetes Bauteil die Übertragung ändert
Wer Motor- oder Getriebelager gegen steifere Ausführungen aus Polyurethan tauscht, gewinnt meist mehr Präzision bei Lastwechseln. Er verliert dabei aber häufig einen Teil der ursprünglichen Schwingungsisolation. Eine höhere Steifigkeit begrenzt die Bewegung des Aggregats stärker, überträgt im Gegenzug aber auch mehr Vibration und Körperschall in die Karosserie. Das ist ein klassischer Zielkonflikt zwischen Bewegungskontrolle und Komfort. Die reine Shore-Härteangabe beschreibt dabei nur einen Eingangswert, denn Geometrie, Hohlräume und die Anbindung ans Metallgehäuse bestimmen zusätzlich, wie sich zwei Teile mit gleicher Härteangabe tatsächlich unterscheiden.
Umbauten am eigenen Fahrzeug. Ob ein Umbau auf öffentlichen Straßen betrieben werden darf, entscheidet der Genehmigungszustand des Fahrzeugs — die Genehmigung des Teils, der Einbau nach ihren Auflagen und, wo nötig, die Abnahme durch eine dafür zuständige Stelle. Solange diese Kette nicht vollständig ist, gehört der Umbau auf Privatgelände, Testflächen und in nicht öffentliche Bereiche.
Für die Diagnose bedeutet das: Fällt eine bisher unauffällige Vibration nach dem Einbau steiferer Lager plötzlich auf, muss das neue Bauteil nicht defekt sein. Es kann schlicht mehr von einer vorher schon vorhandenen kleinen Quelle durchlassen. Ein Vergleich vor und nach dem Umbau unter gleichen Bedingungen zeigt, ob sich an der Übertragung wirklich etwas geändert hat.
Die Kontrollfahrt nach der Reparatur
Nach einer Auswuchtung, einem Reifenwechsel oder einem Lagertausch gehört eine Kontrollfahrt dazu. Sie läuft unter denselben Bedingungen wie vorher: gleiche Geschwindigkeit, gleicher Gang, möglichst dieselbe Strecke. Nur wenn die Vibration unter diesen Bedingungen spürbar geringer ist oder ganz fehlt, gilt die Ursache als bestätigt.
Verschwindet nach einer Reparatur nur das subjektive Gefühl, ohne dass du die gleiche Strecke wiederholt hast, bleibt die Zuordnung schwach. Straßenzustand, Reifendruck oder Tagesform können ein Ergebnis genauso beeinflussen. Am belastbarsten ist ein Ergebnis, wenn vorher mindestens zwei alternative Ursachen bewusst getrennt geprüft und ausgeschlossen wurden, bevor ein drittes Bauteil als verantwortlich gilt.
Wo die Grenze zur eigenen Testfahrt liegt
Eine Vibration gezielt durch immer höheres Tempo auf öffentlicher Straße zu suchen, ist kein sinnvoller Test, denn ein geschädigtes Lager, ein loses Bauteil oder ein stark beschädigter Reifen kann unter zusätzlicher Belastung plötzlich versagen. Eine öffentliche Straße bietet dafür keinen sicheren Rahmen, schon wegen anderer Verkehrsteilnehmer. Willst du systematisch bei mehreren Geschwindigkeiten testen, gehört das auf eine geeignete Testfläche oder auf einen Werkstattprüfstand.
Für den Alltag reicht meist die einfache, unauffällige Beobachtung bei normaler Fahrweise völlig aus. Notiere Geschwindigkeit, Gang und Ort der Vibration, und führe den Gangtest sowie den Ausrolltest an geeigneter Stelle durch. Zeichnet sich eine Lager- oder Wellenursache ab, gehört der Rest in die Werkstatt.
Merksatz: Bleibt eine Vibration bei jedem Gang exakt an dieselbe Geschwindigkeit gebunden, sitzt sie am Rad, am Reifen oder am Radlager. Ändert sie sich mit der Motordrehzahl, gehört sie zum Antriebsstrang. Und wie stark du sie am Ende spürst, entscheidet zusätzlich, wie gesund Motor- und Getriebelager die Schwingung auf dem Weg zur Karosserie dämpfen.
Häufige Fragen
Ab welcher Geschwindigkeit macht sich eine Radunwucht typischerweise bemerkbar?
Die Fliehkraft aus einer Unwucht wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Im Stadttempo bleibt sie deshalb oft unbemerkt und wird erst bei höherem Tempo deutlich. Wo genau die Schwelle liegt, hängt von Gewicht, Position und Reifengröße ab, dafür gibt es keinen für alle Fahrzeuge gültigen Wert. Entscheidend ist eher das Muster: stetiges Wachsen mit dem Tempo statt eines Sprungs.
Woran erkenne ich, ob die Vibration im Lenkrad oder im ganzen Auto sitzt?
Eine Unwucht an der Vorderachse zeigt sich meist zuerst im Lenkrad. Eine an der Hinterachse eher im Sitz oder in der Karosserie. Am besten achtest du bei ruhiger, sicherer Fahrt bewusst auf beide Stellen und notierst, wo die Vibration zuerst und am stärksten auftritt.
Kann ein neuer Reifen die Ursache sein, auch ohne sichtbaren Schaden?
Ja. Ein Reifen kann innen eine Gürtelablösung oder eine ungleichmäßige Massenverteilung aus der Fertigung haben, ohne dass von außen etwas zu erkennen ist. Ein Tausch von Vorder- auf Hinterachse oder auf ein anderes Rad zeigt schnell, ob die Vibration mit dem Reifen mitwandert.
Wie unterscheide ich ein Radlagergeräusch von einer Unwucht?
Eine reine Unwucht bleibt in der Kurve meist gleich stark. Ein beschädigtes Radlager verändert sich dagegen oft hörbar, weil sich seine Belastung beim Lenken verschiebt. Zusätzlich entwickelt sich ein Lagergeräusch häufig über Wochen langsam, während eine Unwucht meist plötzlich auftritt, etwa nach einem Bordsteinkontakt.
Warum verschwindet die Vibration manchmal bei höherem Tempo wieder?
Das ist ein Hinweis auf Resonanz. Eine an sich schwache Anregung kann in einem engen Geschwindigkeitsfenster eine Eigenfrequenz der Karosserie oder des Antriebsstrangs treffen und dort überproportional verstärkt werden. Etwas schneller oder langsamer liegt die Anregung außerhalb dieser Eigenfrequenz, und die Vibration wird kleiner, obwohl die eigentliche Ursache unverändert bleibt.
Reicht eine Auswuchtung beim Reifenhändler als Diagnose?
Für eine reine Unwucht ist das genau das richtige Werkzeug. Bleibt die Vibration nach einer korrekten Auswuchtung an allen vier Rädern bestehen, liegt die Ursache wahrscheinlich woanders, etwa an einem Lager, einer Welle oder einem veränderten Übertragungsweg, und dafür braucht es eine andere Messmethode.
Kann ein Motorlager eine Vibration verstärken, die eigentlich woanders entsteht?
Ja, das ist ein häufig übersehener Zusammenhang. Ein gerissenes oder ausgeschlagenes Motor- oder Getriebelager verändert die Übertragung von Schwingungen in die Karosserie, sodass eine an sich kleine Anregung plötzlich deutlich spürbar wird, ohne dass sich an der eigentlichen Quelle etwas geändert hat.
Muss ich beim Verdacht auf die Kardanwelle sofort in die Werkstatt?
Ein sicherer erster Schritt ist der Gangwechsel-Test bei gleichem Tempo, denn er zeigt, ob die Vibration an die Motordrehzahl oder an die reine Geschwindigkeit gebunden ist. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Antriebsstrangbauteil, lohnt sich der Werkstattbesuch, weil Gelenke und Lager dort mit geeigneten Mitteln geprüft werden können.
Einordnung: wo die Regeln und Normen stehen
Wer eine Vibration technisch einordnen will, stößt auf Messnormen für Schwingung und Auswuchtung, auf eine Elektroniknorm, die hier ausdrücklich nicht gilt, auf Herstellerangaben zu Lagern und Antriebsstrangteilen sowie auf die Zulassungsregel, die greift, sobald ein Bauteil ausgetauscht wird. Die folgenden Blöcke ordnen das jeweils mit Fundstelle ein.
Normen zur Schwingungsmessung und zum Auswuchten
- ISO 2041:2018 – Mechanical vibration, shock and condition monitoring — Vocabulary. Begriffsnorm für Schwingungsmessung, keine Grenzwertnorm.
- ISO 10846-1:2008 – Vibro-acoustic transfer properties of resilient elements — Principles. Beschreibt methodisch, wie die dynamische Übertragungssteifigkeit elastischer Bauteile wie Buchsen und Lager gemessen wird.
- ISO 21940-11:2016 mit Änderung ISO 21940-11:2016/Amd 1:2022 – Rotor balancing, rigid rotors. Liefert Toleranzmethodik für das Auswuchten starrer Rotoren in der industriellen Anwendung. Diese Norm ist keine Grenzwertnorm für den Fahrzeuginnenraum und keine Komfortvorgabe.
Warum eine Elektroniknorm hier nicht als Maßstab gilt
- ISO 16750-3:2023 – Road vehicles, electrical and electronic equipment — Mechanical loads. Beschreibt mechanische Belastungstests für Fahrzeugelektronik nach Einbauort.
- Der Anwendungsbereich dieser Norm schließt Motorräder und Mopeds ausdrücklich aus und ist keine Komfort- oder NVH-Grenzwertnorm für den Fahrgastraum, sie wird in diesem Beitrag deshalb nur zur Abgrenzung genannt, nicht als Maßstab für die hier beschriebenen Vibrationen.
Herstellerangaben zu Lagern und Antriebsstrangteilen (Anbieterangabe, kein Link)
- Vibracoustic, Produktseite Chassis Mounts: beschreibt Fahrwerkslager gleichzeitig als Kraftüberträger und als NVH-Isolator. Anbieterangabe, Stand September 2026, kein Link gemäß Herstellerlink-Regel dieses Blogs.
- ZF Aftermarket / LEMFÖRDER, Produktseite Driveline Components: führt Kardan- und Antriebswellenbauteile als Verschleiß- und Ersatzteile im Antriebsstrang. Anbieterangabe, Stand September 2026, kein Link.
§ 19 StVZO: wann die Betriebserlaubnis bei einem Bauteilwechsel erlischt
- § 19 Absatz 2 Satz 2 StVZO: „Sie erlischt, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die 1. die in der Betriebserlaubnis genehmigte Fahrzeugart geändert wird, 2. eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist oder 3. das Abgas- oder Geräuschverhalten verschlechtert wird.“
- § 19 Absatz 2 Satz 3 und 4 StVZO: „Fahrzeughersteller, Importeure oder Gewerbetreibende dürfen keine Änderungen vornehmen oder vornehmen lassen, die nach Satz 2 zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen. Satz 3 gilt nicht, wenn unverzüglich eine Betriebserlaubnis nach § 21 für das Gesamtfahrzeug eingeholt wird.“
- § 19 Absatz 2, Software-Satz, StVZO: „Für Softwareänderungen von im Verkehr befindlichen Fahrzeugen sind zusätzlich die hierzu amtlich bekannt gemachten Vorschriften zur Durchführung sowie der Stand der Technik zu beachten. Softwareänderungen nicht genehmigungspflichtiger Erweiterungen sind hiervon nicht betroffen.“
- § 19 Absatz 3 Satz 1 StVZO, vollständig: „Abweichend von Absatz 2 Satz 2 erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs jedoch nicht, wenn bei Änderungen durch Ein- oder Anbau von Teilen 1. für diese Teile a) eine Betriebserlaubnis nach § 22 oder eine Bauartgenehmigung nach § 22a erteilt worden ist oder b) der nachträgliche Ein- oder Anbau im Rahmen einer Betriebserlaubnis oder eines Nachtrags dazu für das Fahrzeug nach § 20 oder § 21 genehmigt worden ist und die Wirksamkeit der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung nicht von der Abnahme des Ein- oder Anbaus abhängig gemacht worden ist oder 2. für diese Teile a) eine EWG-Betriebserlaubnis, eine EWG-Bauartgenehmigung oder eine EG-Typgenehmigung nach Europäischem Gemeinschaftsrecht oder b) eine Genehmigung nach Regelungen in der jeweiligen Fassung entsprechend dem Übereinkommen vom 20. März 1958 über die Annahme einheitlicher Bedingungen für die Genehmigung der Ausrüstungsgegenstände und Teile von Kraftfahrzeugen und über die gegenseitige Anerkennung der Genehmigung, soweit diese von der Bundesrepublik Deutschland angewendet werden, erteilt worden ist und eventuelle Einschränkungen oder Einbauanweisungen beachtet sind oder 3. die Wirksamkeit der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung dieser Teile nach Nummer 1 Buchstabe a oder b von einer Abnahme des Ein- oder Anbaus abhängig gemacht ist und die Abnahme unverzüglich durchgeführt und nach § 22 Absatz 1 Satz 5, auch in Verbindung mit § 22a Absatz 1a, bestätigt worden ist oder 4. (weggefallen). Werden bei Teilen nach Nummer 1 oder 2 in der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung aufgeführte Einschränkungen oder Einbauanweisungen nicht eingehalten, erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.“
- Fundstelle: gesetze-im-internet.de, § 19 StVZO – Erteilung und Wirksamkeit der Betriebserlaubnis (Abruf September 2026).
Hinweis: Dieser Beitrag liefert allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr (Stand: September 2026).
