E-Bike · Bafang Nabenmotor
Bafang Nabenmotor: Serien, Grenzen und was ein Tausch bedeutet
Bafang ist Zulieferer, nicht Tuning-Marke – und sein Motorenprogramm reicht von braven 250-Watt-Pedelec-Antrieben bis zu Nabenmotoren mit mehreren Kilowatt Spitzenleistung. Welcher davon in deinem Rad steckt, entscheidet über die Rechtslage.
Kurz gesagt: Bafang liefert Nabenmotoren an Fahrradhersteller, hat aber keine eigene Tuning-App oder einen Lizenzcode wie Bosch oder Ninebot. Das Herstellerprogramm reicht von 250-Watt-Modellen bis zu Motoren mit mehreren Kilowatt Spitzenleistung, die klar außerhalb der EU-Pedelec-Grenze liegen. Für die Rechtslage zählt die Nenndauerleistung laut Typenschild, nicht die Modellbezeichnung.
Kurz beantwortet: Was ist ein Bafang-Nabenmotor?
Ein Bafang-Nabenmotor sitzt direkt im Vorder- oder Hinterrad, nicht am Tretlager wie ein Mittelmotor. Bafang führt diese Antriebe unter zwei Produktlinien: die HF-Serie für den Frontmotor und die HR-Serie für den Heckmotor. Beide Linien reichen von leichten 250-Watt-Antrieben für den Alltag bis zu deutlich stärkeren Varianten, die der Hersteller selbst nicht für den öffentlichen Straßenverkehr in Europa vorsieht.
Der Modellname allein sagt dir nicht, in welcher Kategorie dein Motor steht. Das steht auf dem Typenschild am Motorgehäuse und in den Fahrzeugpapieren, sofern dein Rad eine Zulassung braucht. Gerade bei Direktimport-Rädern und günstigeren Marken lohnt sich dieser Blick besonders, weil dort oft mehrere Leistungsvarianten desselben Motorgehäuses parallel im Umlauf sind.
Nabenmotor statt Mittelmotor: die zwei Bafang-Welten
Bafang baut neben den Nabenmotoren auch Mittelmotoren, allen voran die M-Serie mit Modellen wie dem M400 (früher als BBS02 bekannt), M500 und M600. Diese sitzen am Tretlager, nutzen die Fahrradgangschaltung mit und liefern das Drehmoment über die Kette. Nabenmotor und Mittelmotor sind technisch unterschiedliche Konzepte mit unterschiedlichen Stärken.
Ein Mittelmotor spürt, wie stark du trittst, und regelt die Unterstützung entsprechend fein. Ein Nabenmotor arbeitet meist einfacher: Er liefert Kraft direkt am Rad, unabhängig von der Gangwahl, was ihn robust und wartungsarm macht, aber auch etwas grober in der Dosierung. Wie sich das gegenüber Getriebemotor-Konzepten von Marken wie Pinion oder Gobao verhält, ordnet der Beitrag zu E-Bike-Getriebemotoren ein.
Dieser Beitrag konzentriert sich ausschließlich auf die Nabenmotoren der HF- und HR-Serie. Die Mittelmotor-Serie hat eine eigene Bauform und eigene Diagnosewege, die hier bewusst nicht mitbehandelt werden.
Die Bafang-Nabenmotor-Serien im Überblick
Bafang selbst listet in der HR-Serie mehrere Modelle mit sehr unterschiedlichen Leistungsdaten. Die folgende Übersicht zeigt die Spannbreite, wie sie der Hersteller auf seiner eigenen Produktseite angibt.
| Modell | Serie | Nennleistung | Drehmoment | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| H400 | HF (Front) | 250 W | bis 50 Nm | EU-Pedelec-Klasse |
| H305 / H700 / H710 | HR (Heck) | 250–350 W | 50–60 Nm | EU-Pedelec-Klasse |
| H405 | HR (Heck) | 250 oder 500 W | 55–60 Nm | je nach Variante über der Pedelec-Grenze |
| H560 | HR (Heck) | 500 oder 750 W | 85 Nm | über der Pedelec-Grenze |
| H720 | HR (Heck) | 250–1.000 W | 60–100 Nm | je nach Variante weit über der Pedelec-Grenze |
| H650 | HR (Heck) | 3.000 W (60 V) / 4.500 W (72 V) Spitze | 200 Nm | klar außerhalb der Pedelec-Klasse |
Die Tabelle zeigt das Kernproblem: „Bafang Nabenmotor“ ist kein einheitliches Produkt, sondern eine Bandbreite vom braven Pendlerantrieb bis zum Motor, der eher in ein Elektro-Leichtfahrzeug als in ein Fahrrad passt. Herstellerangaben ändern sich zudem von Modelljahr zu Modelljahr – verlasse dich bei einem konkreten Kauf immer auf das aktuelle Datenblatt, nicht auf einen einmal gelesenen Wert.
Warum die Wattzahl allein nichts beweist
Die Herstellerangaben unterscheiden zwischen Nennleistung, also der Dauerleistung im Normalbetrieb, und Spitzenleistung, die nur kurzzeitig anliegt. Der H650 wird zum Beispiel mit 3.000 bis 4.500 Watt Spitzenleistung beworben – das ist ein Peak-Wert, kein Dauerwert, und für die rechtliche Einordnung eines Pedelecs zählt ohnehin die Nenndauerleistung.
Für die deutsche und europäische Pedelec-Definition ist die Nenndauerleistung die entscheidende Zahl, nicht ein beworbener Spitzenwert. Ein Motor mit „bis zu 1.000 Watt“ in der Modellbezeichnung kann in einer schwächeren Werkseinstellung durchaus als 250-Watt-Variante ausgeliefert werden – und umgekehrt kann ein baugleiches Motorgehäuse in einer stärkeren Version verkauft werden, die nichts mehr mit einem Pedelec zu tun hat. Wie unterschiedlich sich baugleiche Hardware je nach Kalibrierung verhalten kann, zeigt auch der Beitrag zu Coding, Kalibrierung und Firmware.
Wann ein Bafang-Nabenmotor noch ein Pedelec ist
Ein Elektrofahrrad gilt in Deutschland als Pedelec und damit rechtlich als Fahrrad, wenn der Motor nur beim Treten unterstützt, die Unterstützung spätestens bei 25 km/h endet und die Nenndauerleistung 250 Watt nicht übersteigt. Diese drei Bedingungen gelten zusammen – schon eine einzige Abweichung reicht, damit ein Fahrzeug aus der Pedelec-Kategorie herausfällt.
Die HF- und die kleineren HR-Modelle wie H305, H700, H710 und die 250-Watt-Variante des H405 bewegen sich in diesem Rahmen. Der H560, die stärkere H405-Variante, der hochskalierte H720 und der H650 überschreiten die Nenndauerleistung deutlich. Ein Fahrrad mit einem dieser stärkeren Motoren ist kein Pedelec mehr, sondern je nach Bauart und Höchstgeschwindigkeit ein zulassungspflichtiges Kraftfahrzeug einer eigenen Fahrzeugklasse – mit allem, was das an Zulassung, Kennzeichen und Führerschein nach sich zieht.
Eine Zwischenstufe kennt das deutsche Recht mit dem S-Pedelec: Es darf bis 45 km/h unterstützen, verlangt dafür aber ebenfalls eine eigene Typgenehmigung, ein Versicherungskennzeichen und mindestens die Fahrerlaubnisklasse AM. Ein S-Pedelec ist damit kein Fahrrad mehr, sondern ein Kleinkraftrad – und ein Bafang-Nabenmotor, der über die 250-Watt-Grenze hinausgeht, macht aus einem Fahrrad noch lange kein automatisch genehmigtes S-Pedelec. Für diese Zwischenklasse braucht es eine eigene, vollständige Typgenehmigung des Gesamtfahrzeugs, nicht nur einen stärkeren Motor.
Bafang ist Zulieferer, keine Tuning-Marke
Anders als Bosch mit seinem Lizenzcode-System oder Ninebot mit der eigenen Tuning-App verkauft Bafang keine offizielle Freischalt- oder Tuninglösung an Endkunden. Bafang liefert Motoren an Fahrradhersteller, die daraus ihre eigenen Serienräder bauen – welche Leistungsstufe tatsächlich ausgeliefert wird, legt der jeweilige Fahrradhersteller fest, nicht der Käufer.
Das unterscheidet die Bafang-Welt spürbar von Marken, bei denen ein einzelner Hersteller die gesamte Kette von Motor über Software bis App kontrolliert. Wie unterschiedlich die Tuning-Logik je nach Hersteller aussieht, zeigen im Vergleich die Beiträge zu Bosch Performance Line CX, Yamaha PW und den Bosch-Generationen 1 bis 4. Bei Bafang gibt es diese eine zentrale Anlaufstelle nicht, was einerseits mehr Bastelfreiheit am Markt erzeugt hat, andererseits bedeutet, dass es keine offizielle, herstellerseitig abgesicherte Tuning-Lösung gibt.
Für einen Gebrauchtkauf bedeutet das eine zusätzliche Unsicherheit: Ein Bafang-Motor lässt sich nicht allein am Markennamen als „Original-Serienzustand“ bestätigen. Wurde ein Rad zwischenzeitlich verkauft, umgebaut oder mit einem anderen Motor derselben Serie ausgestattet, zeigt das äußere Erscheinungsbild oft keinen Unterschied. Wer ein gebrauchtes Rad mit Bafang-Antrieb kauft, sollte deshalb gezielt nach der ursprünglichen Konformitätserklärung fragen und diese mit dem tatsächlich verbauten Motor abgleichen, statt sich auf die Beschreibung im Anzeigentext zu verlassen.
Woran du erkennst, welcher Motor verbaut ist
Der zuverlässigste Weg ist das Typenschild direkt am Motorgehäuse. Dort stehen Modellbezeichnung, Nennspannung und Nennleistung. Bei vielen Bafang-Nabenmotoren lässt sich die Modellnummer zusätzlich über das Display oder eine Diagnose-App auslesen, die der Fahrradhersteller mitliefert – diese App gehört dann zum verbauten Rad, nicht zu Bafang direkt.
Wichtiger als die reine Modellnummer ist der Blick in die Fahrzeugpapiere beziehungsweise in die Konformitätserklärung des Fahrrads. Dort steht, mit welcher Nennleistung das Rad als Pedelec in Verkehr gebracht wurde. Weicht die Angabe auf dem Motor davon ab, etwa weil ein Motor nachträglich getauscht wurde, ist genau das der Punkt, an dem sich die rechtliche Einordnung ändert.
Bei einem Neukauf lohnt sich der Blick ins Datenblatt vor dem Kauf, nicht erst danach. Seriöse Fahrradhersteller nennen die Nennleistung des verbauten Bafang-Motors in der Produktbeschreibung. Fehlt diese Angabe oder wird nur eine Spitzenleistung genannt, ist das ein Anlass, gezielt nachzufragen, bevor eine Kaufentscheidung fällt.
Was ein Motortausch für die Betriebserlaubnis bedeutet
Ein Pedelec braucht formal keine Betriebserlaubnis wie ein zulassungspflichtiges Fahrzeug, weil es rechtlich als Fahrrad gilt – genau deshalb ist die Einhaltung der 250-Watt- und 25-km/h-Grenze so entscheidend. Tauschst du den Serienmotor gegen einen leistungsstärkeren Bafang-Nabenmotor, etwa einen H560 oder H650, verlässt das Rad die Pedelec-Definition. Ab diesem Moment gelten die Regeln für das jeweils zutreffende zulassungspflichtige Fahrzeug – nicht mehr die für ein Fahrrad.
Bei einem bereits zulassungspflichtigen Elektrofahrzeug mit Bafang-Antrieb gilt zusätzlich die allgemeine Regel für Umbauten: Eine Änderung an einer genehmigten Komponente kann die Betriebserlaubnis des Gesamtfahrzeugs berühren, wenn sie die genehmigte Fahrzeugart, die Verkehrssicherheit oder das Abgas- beziehungsweise Geräuschverhalten verändert. Was das im Detail für den Wechsel zwischen Fahrzeugklassen bedeutet, erklärt der Beitrag zum Klassenwechsel durch Umbau.
Tuning ausschließlich für eigene Fahrzeuge auf Privatgelände, Testflächen und nicht öffentlichen Bereichen.
Versicherung, Zulassung und die Folgen im Schadensfall
Ein Pedelec braucht keine eigene Kfz-Versicherung, weil es rechtlich als Fahrrad läuft – die private Haftpflichtversicherung greift wie bei einem gewöhnlichen Rad. Verliert das Fahrzeug durch einen stärkeren Motor seinen Pedelec-Status, ändert sich das grundlegend: Je nach Einordnung wird eine Versicherungspflicht mit amtlichem Kennzeichen oder Versicherungskennzeichen fällig. Welche Fahrzeugklassen konkret eine Versicherungspflicht auslösen, ordnet der Beitrag zur Versicherungspflicht bei L-Klassen ein.
Im Schadensfall zählt außerdem, ob das Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt tatsächlich noch der Kategorie entsprach, unter der es ursprünglich in Verkehr gebracht wurde. Ein nachträglich leistungsgesteigertes Rad, das als Pedelec unterwegs ist, aber die Nenndauerleistung überschreitet, kann im Ernstfall zu Problemen mit dem Versicherungsschutz führen – unabhängig davon, ob eine Kontrolle das vorher bemerkt hat.
Bei einem selbst verschuldeten Unfall stellt sich dann die Frage, ob die private Haftpflichtversicherung überhaupt zuständig war, weil das Fahrzeug faktisch kein Fahrrad mehr war. Bei einem Unfall mit Fremdbeteiligung kann zusätzlich die eigene Rechtsschutzversicherung eine Klärung verlangen, welche Fahrzeugklasse zum Unfallzeitpunkt tatsächlich vorlag. Diese Fragen lassen sich im Nachhinein oft nur mit Sachverständigenaufwand klären – ein Grund mehr, die Einordnung schon vor dem Motortausch vorzunehmen und nicht erst danach.
Nachrüsten oder gleich das passende Rad kaufen?
Wer mehr Leistung sucht, hat im Bafang-Ökosystem grundsätzlich zwei Wege: einen stärkeren Nabenmotor gegen den Serienmotor tauschen, oder direkt ein Rad kaufen, das werkseitig mit der gewünschten Motorvariante ausgestattet ist und für den entsprechenden Einsatzzweck – Privatgelände, Gelände-Pedelec außerhalb der Straßenzulassung oder ein zulassungspflichtiges Elektro-Leichtfahrzeug – konzipiert wurde.
Der zweite Weg ist der sauberere: Ein Hersteller, der ein Fahrzeug mit stärkerem Bafang-Motor von Anfang an für eine bestimmte Fahrzeugklasse baut, kümmert sich auch um die dazugehörigen Papiere, die passende Bremsanlage, Beleuchtung und alle weiteren Bauteile, die eine höhere Geschwindigkeit oder Leistung mit sich bringt. Ein nachträglicher Motortausch an einem Serienpedelec bringt diese Begleitausstattung nicht automatisch mit.
Das gilt besonders für die Bremsanlage. Ein Pedelec ist für maximal 25 km/h und die entsprechende Bremsleistung ausgelegt. Ein Rad, das nach einem Motortausch spürbar schneller oder mit mehr Drehmoment beschleunigt, braucht auch eine Bremsanlage, die dafür dimensioniert ist – Felgenbremsen an einem Serienpedelec sind für diesen Zweck oft nicht ausgelegt. Wie Drehmoment und Leistung beim E-Antrieb zusammenwirken, zeigt der Beitrag wie Drehmoment und Leistung beim E-Antrieb zusammenwirken. Wer allein den Motor tauscht und Bremse, Rahmenfreigabe sowie Beleuchtung unverändert lässt, verschiebt das eigentliche Sicherheitsproblem nur nach hinten.
Bafang-Nabenmotoren finden sich zudem häufig in preisgünstigeren Direktimport-Rädern, weil Bafang als Zulieferer ein besonders breites Preis- und Leistungsspektrum anbietet. Genau diese Marktbreite erklärt, warum auf denselben Motorenserien so unterschiedliche Fahrzeuge aufbauen – vom braven Pendlerrad bis zum Elektro-Lastenrad mit deutlich höherer Nennleistung.
Diagnose statt Umbau: was sich am Serienmotor überhaupt messen lässt
Bevor überhaupt über einen Motortausch nachgedacht wird, lohnt sich ein nüchterner Blick auf das, was der verbaute Motor bereits leistet. Viele Displays und Apps, die Fahrradhersteller zu ihren Bafang-Antrieben mitliefern, zeigen Momentanleistung, Akkustand und teilweise Fehlercodes an. Diese Werte sind eine bessere Ausgangsbasis für eine Kaufentscheidung als eine reine Modellbezeichnung, weil sie zeigen, was das eigene Rad im Alltag tatsächlich liefert.
Ein häufiges Missverständnis ist, eine schwache Steigungsleistung automatisch auf eine zu geringe Motorleistung zurückzuführen. Reifendruck, Zuladung, Akkuladezustand bei Kälte, Kettenzustand und die gewählte Unterstützungsstufe beeinflussen das spürbare Ergebnis mindestens genauso stark wie die reine Wattzahl des Motors. Wie ein Steuergerät bei fehlenden oder unplausiblen Signalen auf Ersatzwerte zurückgreift und warum das nicht automatisch ein Bauteildefekt ist, erklärt allgemein der Beitrag zu Notlauf und Ersatzwerten am Steuergerät – dasselbe Prinzip gilt grundsätzlich auch bei einem E-Bike-Antrieb.
Wer eine reale Reichweiten- oder Leistungsfrage klären will, bevor er über einen Motortausch nachdenkt, findet allgemeine Grundlagen dazu im Beitrag zur E-Bike-Reichweite. Ein Wechsel des kompletten Antriebs sollte die letzte Option sein, nicht die erste Reaktion auf einen enttäuschenden Alltagswert. Wer trotzdem Werte protokollieren will, sollte mehrere Fahrten unter vergleichbaren Bedingungen dokumentieren – gleiche Strecke, ähnliche Temperatur, gleiche Zuladung –, statt aus einer einzelnen Fahrt eine Diagnose abzuleiten.
Häufige Irrtümer zum Bafang-Nabenmotor
| Irrtum | Richtig eingeordnet |
|---|---|
| „Bafang“ ist eine Tuning-Marke wie Bosch oder Ninebot. | Bafang ist ein Zulieferer für Fahrradhersteller, ohne eigene Endkunden-Tuning-App. |
| Alle Bafang-Nabenmotoren sind Pedelec-konform. | Das Herstellerprogramm reicht bis zu Modellen mit mehreren Kilowatt Spitzenleistung, klar außerhalb der Pedelec-Grenze. |
| Die beworbene Wattzahl zeigt die tatsächliche Rechtslage. | Entscheidend ist die Nenndauerleistung laut Typenschild und Fahrzeugpapieren, nicht ein Spitzenwert im Prospekt. |
| Ein stärkerer Motor ändert nur die Beschleunigung, sonst nichts. | Er kann die Fahrzeugklasse, die Versicherungspflicht und die Betriebserlaubnis verändern. |
| Ein Motortausch lässt sich beim nächsten Werkstattbesuch einfach rückgängig machen. | Der Originalzustand muss dafür vollständig dokumentiert und das Altteil verfügbar sein – sonst bleibt nur ein Neuaufbau mit einem passenden Ersatzmotor. |
Merksatz: Bafang ist Zulieferer, keine Tuning-Marke – es gibt keine offizielle Freischalt-App. Das Motorenprogramm reicht von 250-Watt-Pedelec-Antrieben (HF-Serie, kleinere HR-Modelle) bis zu Nabenmotoren mit mehreren Kilowatt Spitzenleistung (H650), die klar außerhalb der Pedelec-Klasse liegen. Entscheidend ist immer die Nenndauerleistung laut Typenschild und Fahrzeugpapieren, nie ein beworbener Spitzenwert oder der Modellname allein.
Häufige Fragen
Gibt es eine offizielle Bafang-Tuning-App?
Nein. Bafang liefert Motoren an Fahrradhersteller, die eigene Displays und Apps für ihre Räder anbieten. Eine zentrale, herstellereigene Tuning- oder Freischalt-App wie bei Bosch oder Ninebot gibt es bei Bafang nicht.
Sind alle Bafang-Nabenmotoren mit 250 Watt angegeben?
Nein. Bafangs eigenes Programm reicht von 250-Watt-Modellen bis zu Nabenmotoren mit mehreren Kilowatt Spitzenleistung, die deutlich außerhalb der Pedelec-Klasse liegen. Welches Modell in welcher Konfiguration ausgeliefert wurde, steht auf dem Typenschild und in den Fahrzeugpapieren.
Was passiert, wenn ich einen stärkeren Bafang-Nabenmotor einbaue?
Überschreitet der neue Motor die Pedelec-Grenze von 250 Watt Nenndauerleistung, verliert das Fahrzeug seinen Pedelec-Status. Es gelten dann die Regeln für die jeweils zutreffende zulassungspflichtige Fahrzeugklasse, inklusive möglicher Versicherungs- und Zulassungspflicht.
Braucht ein Bafang-Nabenmotor mit 500 oder 750 Watt eine Zulassung?
Das hängt vom Gesamtfahrzeug ab, nicht allein vom Motor. Überschreitet die Nenndauerleistung die Pedelec-Grenze, ist eine Einzelfallprüfung nötig, ob und welche Fahrzeugklasse, Zulassung und Fahrerlaubnis greifen.
Unterscheiden sich Bafang-Mittelmotor und Bafang-Nabenmotor beim Tuning?
Ja. Mittelmotoren der M-Serie und Nabenmotoren der HF-/HR-Serie sind unterschiedliche Bauformen mit eigener Diagnoselogik. Dieser Beitrag behandelt ausschließlich die Nabenmotoren.
Kann ich am Typenschild erkennen, ob mein Bafang-Motor noch Pedelec-konform ist?
Das Typenschild nennt die Nennleistung des Motors. Für die verbindliche Einordnung des gesamten Fahrzeugs zählt zusätzlich die Konformitätserklärung beziehungsweise die Fahrzeugpapiere, mit denen das Rad ursprünglich in Verkehr gebracht wurde.
Ändert ein Softwareupdate am Bafang-Motor die Rechtslage?
Wenn ein Update die tatsächliche Leistungsabgabe oder die Abschaltgeschwindigkeit verändert, kann das denselben Effekt haben wie ein Hardware-Tausch – das Fahrzeug verlässt dann möglicherweise die Pedelec-Definition, unabhängig davon, ob am Motor selbst etwas geändert wurde.
Einordnung: wo die Regeln stehen
Dieser Beitrag ist technische und rechtliche Einordnung, kein Kaufratgeber für ein konkretes Tuning-Produkt. Die Pedelec-Definition und die Betriebserlaubnis-Regeln sind im Quellenblock mit Fundstelle genannt. Herstellerangaben zu den Bafang-Motorserien sind im Klartext genannt, wie es die Projektregeln für Herstellerquellen seit dem 7. September 2026 vorsehen.
Die Pedelec-Definition — § 1 Absatz 3 StVG
- § 1 StVG, Absatz 3: Ein Elektrofahrrad gilt als Fahrrad, wenn der Motor die Tretunterstützung bei spätestens 25 km/h abschaltet und eine Nenndauerleistung von höchstens 250 Watt hat. Abgerufen am 25.09.2026.
- Diese drei Bedingungen (Tretunterstützung, 25-km/h-Abschaltung, 250-Watt-Nenndauerleistung) gelten kumulativ. Fehlt eine davon, ist das Fahrzeug kein Pedelec im Sinne dieser Norm mehr.
Die Betriebserlaubnis bei einem Umbau — § 19 StVZO
- § 19 StVZO, amtliche Überschrift „Erteilung und Wirksamkeit der Betriebserlaubnis“. Absatz 2 Satz 2: Die Betriebserlaubnis erlischt bei Änderungen, die die genehmigte Fahrzeugart ändern, eine Gefährdung erwarten lassen oder das Abgas- beziehungsweise Geräuschverhalten verschlechtern. Abgerufen und zeichengenau geprüft am 25.09.2026.
- Dieser Beitrag trifft keine Aussage dazu, ob ein bestimmter Motortausch im Einzelfall die Betriebserlaubnis eines konkreten Fahrzeugs berührt. Eingeordnet wird nur, dass diese Prüfung nötig wird, sobald ein Fahrzeug die Pedelec-Grenze verlässt.
Herstellerangaben zu den Bafang-Motorserien
- Bafang, offizielle Produktseiten zur HR-Serie (Heckmotor) und HF-Serie (Frontmotor), abgerufen am 25.09.2026: Nennleistungen der einzelnen Modelle von 250 Watt (H400, H305, H700, H710) bis 3.000/4.500 Watt Spitzenleistung (H650).
- Diese Angaben sind Herstellerwerte zum Zeitpunkt des Abrufs und keine amtliche Typgenehmigung eines konkreten Fahrzeugs. Modellprogramme und technische Daten können sich ändern.
- Bafang M-Serie (Mittelmotor, unter anderem M400/BBS02, M500, M600) wird in diesem Beitrag nur zur Abgrenzung genannt, nicht vertieft.
Hinweis: Dieser Beitrag liefert allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr (Stand: September 2026).
