Marke · Hintergrund
VanMoof Insolvenz und Übernahme: Was heute wirklich gilt
Die entscheidende Frage ist nicht mehr „War VanMoof pleite?“, sondern: Welche Gesellschaft ging damals insolvent, was wurde übernommen, welche alten Ansprüche blieben in der Insolvenz – und was ist das heutige VanMoof rechtlich und praktisch überhaupt?
Kurz gesagt: Die Insolvenz von 2023 war real und traf die damaligen VanMoof-Gesellschaften. Danach wurden bestimmte Vermögenswerte, Markenrechte, Lagerbestände und weitere Assets an McLaren Applied/Lavoie verkauft. Das heutige VanMoof arbeitet deshalb nicht einfach als unveränderte Fortsetzung der alten Gesellschaft weiter – VanMoof selbst trennt ausdrücklich zwischen dem „alten“ und dem „neuen“ VanMoof. Gleichzeitig wäre es 2026 genauso falsch, VanMoof so zu behandeln, als sei seit 2023 nichts wieder aufgebaut worden: Die Marke verkauft mit S6 und S6 Open wieder aktuelle Modelle, betreibt App und Help Center weiter und hat die Ersatzteilversorgung neu organisiert.
Kurz eingeordnet: Alt-VanMoof, Übernahme und VanMoof heute
| Zeitpunkt | Was passiert ist | Was das heute bedeutet |
|---|---|---|
| 17. Juli 2023 | Die niederländischen Gesellschaften VanMoof B.V., VanMoof Global Holding B.V. und VanMoof Global Support B.V. werden vom Gericht in Amsterdam für insolvent erklärt | Altansprüche hängen an den damaligen Rechtsträgern und Insolvenzverfahren |
| 31. August 2023 | Die Insolvenzverwalter melden den Verkauf bestimmter Assets an McLaren Applied/Lavoie | Marke und operative Assets wechseln, nicht automatisch sämtliche alten Verpflichtungen |
| 2024 | VanMoof baut Partnernetz und Ersatzteilversorgung neu auf, öffnet die Archives und startet später eine 1.000-Euro-Kulanzaktion für bestimmte nicht belieferte Altkunden | Erste konkrete Maßnahmen für Bestandsfahrer und Vertrauensaufbau |
| 2025 | McLaren Applied nennt sich ab Juni 2025 Motion Applied; VanMoof bringt mit der S6-Serie erstmals eine neue Generation unter der neuen Führung | Der Eigentümername ändert sich, die Übernahmegeschichte bleibt dieselbe |
| 2026 | S6/S6 Open werden regulär verkauft, aktuelle Garantie- und Supportseiten sind aktiv; Legacy-Modelle erhalten weiter Ersatzteil-/App-Support in unterschiedlichem Umfang | Heute muss nach Modell und Kaufzeitpunkt beurteilt werden, nicht nur nach dem Wort „Insolvenz“ |
Was 2023 tatsächlich insolvent wurde
Am 17. Juli 2023 erklärte das Bezirksgericht Amsterdam die niederländischen Gesellschaften VanMoof B.V., VanMoof Global Holding B.V. und VanMoof Global Support B.V. für insolvent. Die von den Insolvenzverwaltern veröffentlichten Berichte führen genau diese Rechtsträger und den 17. Juli 2023 als Insolvenztag auf. In Deutschland folgte für die damalige VANMOOF DE GmbH ebenfalls ein eigenes Insolvenzverfahren, wie ein Handelsregisterauszug dokumentiert.
Diese Unterscheidung klingt zunächst rein formal, ist aber für betroffene Kunden praktisch entscheidend. Eine Marke kann weiterbestehen und neue Produkte verkaufen, obwohl die konkrete Gesellschaft, bei der du ursprünglich bestellt oder einen Vertrag abgeschlossen hast, längst insolvent ist. Genau das ist bei VanMoof passiert. Wer 2023 bereits Geld für ein nicht geliefertes Fahrrad gezahlt hatte, bekam durch die spätere Übernahme nicht automatisch einen neuen Vertragspartner für diese alte Bestellung.
VanMoof formuliert das auf seiner eigenen Hilfeseite ungewöhnlich klar: Bestellungen vor der Übernahme wurden beim „alten“ VanMoof aufgegeben. Das heutige Unternehmen sei ein anderes Unternehmen und habe weder Zugriff auf das damals gezahlte Geld noch auf die zugesagten Fahrräder. Betroffene Kunden werden deshalb für diese Forderung auf das jeweilige Insolvenzverfahren verwiesen.
Warum ging VanMoof überhaupt insolvent?
Eine Insolvenz dieses Ausmaßes lässt sich nicht seriös auf einen einzigen, klar benennbaren Fehler reduzieren. Aus den damaligen Berichten und späteren Aussagen der neuen Führung ergibt sich aber ein deutliches Muster: VanMoof wuchs sehr schnell, setzte stark auf eigens entwickelte und proprietäre Komponenten und musste gleichzeitig hohe Service- und Garantiekosten tragen. Das Handelsblatt berichtete 2023 ausdrücklich über hohe Kosten für Garantiefälle. TechCrunch beschrieb zusätzlich, dass Reparaturen für Kunden und Unternehmen aufwendig waren und das Servicenetz mit dem Wachstum nicht Schritt hielt.
Das Problem war damit nicht, dass integrierte Technik grundsätzlich nicht funktionieren kann. Wirtschaftlich kritisch wird sie, wenn viele Teile herstellerspezifisch sind, Ausfallquoten zu hoch werden und Ersatzteile oder Werkstattkapazität nicht in derselben Geschwindigkeit wachsen wie der Fahrzeugbestand. Genau diese Kombination machte Reparaturen teuer und langsam – und belastete das Geschäftsmodell. Wie sich diese geschlossene Systemarchitektur von einem standardisierten Bosch-Antrieb unterscheidet, ordnet unser Vergleich VanMoof gegen Bosch-E-Bikes ein.
Für 2026 ist diese Vorgeschichte vor allem deshalb relevant, weil das heutige VanMoof nach eigener Aussage genau an diesen Punkten anders arbeiten will: neue Qualitätskontrollen, neu organisierte Teileversorgung und ein ausgelagertes Partnernetz statt der früheren starken Abhängigkeit von eigenen Stores und eigenen Bike Doctors. Ob dieses Modell langfristig stabiler ist, kann heute niemand aus der Insolvenzgeschichte allein ableiten. Aber man kann prüfen, ob die dafür nötige Infrastruktur tatsächlich sichtbar vorhanden ist.
Was wurde 2023 übernommen – und was nicht?
Die Insolvenzverwalter dokumentieren eine Vereinbarung über den Verkauf bestimmter Vermögenswerte an McLaren Applied/Lavoie. Genannt werden unter anderem Goodwill, Geschäftsausstattung, Lagerbestand, geistige Eigentumsrechte und die Anteile an VanMoof USA. Das ist etwas grundlegend anderes als die pauschale Aussage, der Käufer habe die alte Gesellschaft mitsamt sämtlichen Verpflichtungen übernommen.
Genau daraus folgt die wichtigste Leserregel dieses gesamten Beitrags, und sie ist wirklich zentral: Du darfst alte und neue Ansprüche unter keinen Umständen miteinander vermischen. Ein nicht geliefertes Fahrrad aus einer Vor-Insolvenz-Bestellung, eine Reparatur an einem heute gebrauchten S3 und die Garantie eines 2026 neu gekauften S6 sind drei verschiedene Sachverhalte.
| Situation | Primär relevant ist heute | Nicht automatisch annehmen |
|---|---|---|
| Nicht gelieferte Bestellung vor der Insolvenz | Forderung gegen den alten Rechtsträger / Insolvenzverfahren; ggf. damaliger Zahlungsdienstleister | Dass das heutige VanMoof den alten Kaufpreis schuldet |
| S3/X3 oder altes S5/A5 im Bestand | Aktuelle Teileversorgung, Servicepartner, unabhängige Reparaturwege | Dass eine frühere Herstellergarantie durch die Übernahme neu entsteht |
| S6/S6 Open neu gekauft | Heutiger Kaufvertrag, aktuelle Garantiebedingungen und Partnerabwicklung | Dass die Insolvenzbedingungen von 2023 die aktuelle Neufahrzeuggarantie ersetzen |
Lavoie, McLaren Applied oder Motion Applied: Wem gehört VanMoof heute?
Auch die reine Namensfrage rund um den Eigentümer sorgt bei Kunden regelmäßig für spürbare Verwirrung. Die Übernahme wurde 2023 über Lavoie kommuniziert, einen E-Scooter-Anbieter aus dem Umfeld von McLaren Applied. Die Insolvenzverwalter sprechen von McLaren Applied/LAVOIE; das Handelsblatt nannte Lavoie als Tochter beziehungsweise E-Mobility-Unternehmen von McLaren Applied. VanMoofs heutige „Über uns“-Seite fasst die Geschichte einfacher zusammen und sagt, VanMoof sei 2023 von McLaren Applied gekauft worden.
Seit Juni 2025 heißt McLaren Applied offiziell Motion Applied. Das Unternehmen selbst beschreibt die Umbenennung als neuen Namen eines inzwischen unabhängigen Technologieanbieters. Wenn du also 2023er Berichte mit „Lavoie/McLaren Applied“ und aktuelle Quellen mit „Motion Applied“ liest, sind das nicht zwingend widersprüchliche Eigentümergeschichten, sondern unterschiedliche Ebenen und Zeitpunkte derselben Übernahmehistorie.
Was wir nicht tun sollten: aus Marketing- oder Presseformulierungen eine detaillierte heutige Konzernstruktur ableiten, die öffentlich nicht vollständig erklärt wird. Für den Käufer reicht die belastbare Aussage: Die Marke wurde nach der Insolvenz unter neuer Eigentümerschaft und neuer Führung weitergeführt; das heutige VanMoof ist nicht einfach die alte insolvente Gesellschaft.
Was passierte mit alten Kundenforderungen?
Am allerhärtesten traf die Insolvenz jene Kunden, die bereits vollständig bezahlt hatten, aber niemals ein Fahrrad erhielten. VanMoof verweist diese Fälle weiterhin auf die Insolvenzverwalter des alten Unternehmens. Für Deutschland nennt die Hilfeseite einen zuständigen Rechtsanwalt als Ansprechpartner; für die niederländischen Kernverfahren ist eine spezialisierte Anwaltskanzlei mit den zuständigen Insolvenzverwaltern benannt.
Wichtig ist vor allem die Richtung der Haftung: Der spätere Marken- und Asset-Käufer ist nicht automatisch identisch mit dem ursprünglichen, alten Vertragspartner deines Kaufvertrags. VanMoof erklärt selbst, dass das neue Unternehmen nicht auf die damaligen Gelder und versprochenen Räder zugreifen könne. Deshalb ist eine Forderung aus einer alten, nicht belieferten Bestellung nicht dasselbe wie ein heutiger Garantie- oder Servicefall bei einem neuen Bike.
Wenn du selbst noch einen offenen Altanspruch hast, ist dieser Artikel keine individuelle Rechtsberatung. Prüfe den damaligen Vertragspartner, das konkrete Insolvenzverfahren und deine bereits erfolgte Forderungsanmeldung. Bei alten Kreditkarten-, PayPal- oder Zahlungsdienstfällen können außerdem eigene Fristen gegolten haben. Für die heutige Kaufentscheidung ist vor allem wichtig zu verstehen: Die Übernahme hat diese Altansprüche nicht einfach in normale aktuelle VanMoof-Garantieansprüche verwandelt.
Die 1.000-Euro-Geste: echte Hilfe, aber keine Übernahme der Altverbindlichkeit
Im Jahr 2024 startete das neue VanMoof eine freiwillige Kulanzaktion mit 1.000 Euro Rabatt für einen genau umrissenen Kreis von Kunden, die vor der Insolvenz ein Fahrrad bezahlt, aber niemals erhalten hatten. VanMoof betonte dabei selbst, dass diese Maßnahme den Insolvenz- beziehungsweise Forderungsprozess nicht ersetzt. Das Unternehmen erklärte außerdem, dass es auf die damaligen Kundengelder keinen Zugriff habe und rechtlich nicht verpflichtet sei, das Problem der alten Gesellschaft zu lösen.
Für 2026 ist vor allem der aktuelle Status wichtig: Neue Anträge werden seit Ende Oktober 2024 nicht mehr angenommen. Bereits ausgegebene Codes sind laut VanMoof bis zum 31. Dezember 2027 gültig. Sie können nur für ein neues VanMoof im offiziellen Webshop genutzt werden, nicht für Zubehör, Reparaturen oder Services. Der Code ist personengebunden und nicht übertragbar.
Das bedeutet auch ganz konkret: Für jemanden, der heute erst ein gebrauchtes S3 kauft, schafft diese frühere Aktion überhaupt keinen eigenen Anspruch. Sie ist kein allgemeiner Insolvenzrabatt und keine übertragbare Zugabe zum Fahrrad. Sie ist eine begrenzte Kulanzmaßnahme für einen bereits geschlossenen Kreis betroffener Altkunden – ganz ähnlich wie andere Herstellergesten, die beim Übernehmen eines Leasingrückläufers geprüft werden sollten, statt sie als selbstverständlich vorauszusetzen.
Was hat sich für S3/X3- und andere Bestandsfahrer nach der Übernahme tatsächlich verbessert?
Hier muss man sehr sorgfältig zwischen belegbaren, dokumentierten Strukturen und rein subjektiver Servicequalität unterscheiden. Belegbar ist, dass VanMoof die Ersatzteilversorgung neu aufgebaut hat. In den VanMoof Archives erklärt der Co-CEO, die Mehrheit der noch fahrenden VanMoofs seien S3 und X3; deshalb habe man die Produktion von Ersatzteilen für diese Modelle wieder aufgenommen und verteile sie zu Betriebskosten an Partner, wie auch unser Beitrag VanMoof S3 & X3 beschreibt. Gleichzeitig öffnete VanMoof technische Archive mit Reparaturanleitungen und Zeichnungen für S2/X2 und ältere Modelle; weitere Serien sollen folgen.
Auch das Partnernetz wurde nach der Übernahme neu aufgebaut. Im März 2024 meldete VanMoof mehrere Dutzend Service- und Verkaufsstandorte in mehreren Ländern. Im Juni 2024 schrieb das Unternehmen offen über einen damals noch vorhandenen Reparaturrückstand und längere Wartezeiten, gleichzeitig aber über laufendes Onboarding zusätzlicher Werkstätten und einen neu aufgebauten Teileprozess.
2025 beschrieb TechCrunch das neue Modell als deutlich stärker partnerbasiert und berichtete von einem erheblich gewachsenen Reparatur- und Verkaufsnetz. VanMoofs aktuelle deutsch- und englischsprachige „Über uns“-Seiten nennen inzwischen jeweils eine hohe dreistellige Zahl an Partnern, allerdings mit voneinander abweichenden Gesamtzahlen und Länderangaben. Deshalb verwenden wir diese Zählung hier bewusst nicht als exakte Qualitätskennzahl. Sie zeigt lediglich Wachstum der Infrastruktur – nicht automatisch kurze Wartezeiten, gute Kommunikation oder identische fachliche Kompetenz an jedem einzelnen Standort.
Für Besitzer älterer Räder ist genau diese Nüchternheit wichtig: Die Situation ist strukturell besser als unmittelbar nach der Insolvenz, weil wieder originale Teile, Partner und technische Informationen existieren. Ob dein konkreter Fehler schnell, wirtschaftlich und lokal lösbar ist, hängt trotzdem von Modell, Ersatzteil, Partner und Region ab. Unsere Beiträge zu S3/X3, Error 44 und dem Reparatur-vs-S6-Vergleich behandeln diese Ebene separat.
Servicequalität seit der Übernahme: Was lässt sich seriös sagen?
Man kann im Jahr 2026 insgesamt drei positive, öffentlich belegbare Veränderungen klar benennen: Erstens gibt es wieder ein organisiertes, funktionierendes Partnernetz. Zweitens veröffentlicht VanMoof inzwischen konkrete Ersatzteilpreise und Reparaturinformationen für ältere Generationen. Drittens wird die App weiterhin gepflegt und unterstützt auch ältere Modelle mit Funktionen und Fehlerbehebungen.
Was man aus diesen drei belegbaren Punkten aber nicht ableiten darf, ist ein pauschales Urteil wie „der VanMoof-Service ist jetzt insgesamt gut“. Dafür bräuchten wir belastbare, vergleichbare Daten zu Reparaturdauer, Erstlösungsquote, Kundenzufriedenheit und regionaler Verfügbarkeit. Solche einheitlichen Deutschlanddaten veröffentlicht VanMoof nicht. Außerdem arbeiten die Servicepartner als eigenständige Betriebe mit eigener Terminlage und eigenen Arbeitskosten, wie unser Beitrag zur Instandsetzungs-Rechenlogik allgemein für unabhängige Werkstätten beschreibt.
Für Leser ist deshalb die bessere Prüfung lokal: Gibt es in erreichbarer Entfernung einen Partner, der dein Modell tatsächlich betreut? Sind die benötigten Teile verfügbar? Wie schnell bekommst du einen Termin? Und welche Kosten werden für Diagnose und Arbeit genannt? Das ist aussagekräftiger als die globale Zahl registrierter Partner. Einen strukturierten Überblick über Teile-, Reparatur- und Lebensdauerkosten je Generation bietet unser Beitrag VanMoof Kosten 2026.
Was bedeutet die Insolvenz für einen S6-Käufer 2026?
Ein heutiger S6-Kauf ist ganz eindeutig kein Vertrag mit der 2023 insolvent gewordenen VanMoof-Gesellschaft. Für das S6 veröffentlicht VanMoof aktuelle Garantiebedingungen und eine Partnerabwicklung, wie unser Beitrag VanMoof S6 & S6 Open im Detail zeigt. Der Hersteller nennt drei Jahre Garantie; für Batterie, Motor und ECU gelten in Europa drei Jahre oder 7.500 Kilometer, je nachdem, was zuerst erreicht wird. Garantiearbeiten sollen über lokale VanMoof-Partner mit Kaufnachweis abgewickelt werden.
Das ist eine konkrete aktuelle Leistung, die getrennt von der Insolvenzgeschichte bewertet werden muss. Die richtige Käuferfrage lautet daher nicht „War VanMoof einmal insolvent?“, sondern: Welche Gesellschaft verkauft mir heute das Rad, welche Garantie gilt, wer übernimmt Service in meiner Region und wie transparent ist die Teileversorgung? Wer das S6 nicht kauft, sondern als Dienstrad least, verlagert einen Teil dieser Fragen ohnehin auf den Leasinggeber, wie unser Beitrag zum VanMoof-Leasing als Dienstrad zeigt.
Die Insolvenz bleibt trotzdem als Risikohistorie relevant. VanMoof setzt weiterhin auf stark integrierte eigene Technik. Der Unterschied zum alten Modell soll laut neuer Führung in Qualität, Lieferkette und Serviceinfrastruktur liegen. Das ist ein nachvollziehbarer Ansatz, aber kein Beweis für die nächsten zehn Jahre. Wer das Risiko minimieren will, sollte deshalb nicht nur den Kaufpreis betrachten, sondern Partnernähe, Garantiebedingungen und Reparierbarkeit in die Entscheidung einbeziehen. Wer dieses Risiko lieber ganz umgehen will, findet in unserem Überblick zu Alternativen zur Marke VanMoof mehrere Modelle mit vergleichbarem Funktionsumfang.
Was bedeutet sie für einen Gebrauchtkäufer?
Beim Gebrauchtkauf ist die Insolvenzgeschichte indirekter relevant. Du kaufst meist kein Forderungsrecht gegen das alte VanMoof, sondern ein vorhandenes Fahrrad. Entscheidend sind deshalb Eigentumsübertragung, Validation Code, Bike-ID, Akku, Schaltung, Elektronik, Trackingstatus und heutige Reparaturmöglichkeiten. Genau dafür gibt es unsere separate Gebrauchtkauf-Checkliste.
Trotzdem beeinflusst die Unternehmensgeschichte den Preis und das Risiko. Ein günstiges S3 ist nur dann wirklich günstig, wenn du die typischen Reparaturwege kennst und einen erreichbaren Service- oder Reparaturpartner hast, ähnlich wie bei der Bewertung eines gebrauchten E-Motorrads mit unbekannter Historie. Die gute Nachricht ist: Für S3/X3 gibt es heute wieder offizielle Teile und dokumentierte Nachfolgelösungen. Die schlechte Nachricht ist: Daraus entsteht keine automatische alte Herstellergarantie.
Drei Fälle, drei völlig unterschiedliche Folgen
| Deine Situation | Was du aus der Insolvenz ableiten solltest | Nächster sinnvoller Schritt |
|---|---|---|
| Du hast 2023 bezahlt und nie ein Rad erhalten | Altanspruch gegen alten Rechtsträger; heutiges VanMoof trennt diese Forderung ausdrücklich vom neuen Unternehmen | Insolvenzunterlagen und damaligen Zahlungsweg prüfen; 1.000-Euro-Code nur, wenn bereits bewilligt |
| Du besitzt oder kaufst ein S3/X3/S5/A5 | Nicht die Insolvenz selbst entscheidet, sondern heutige Teile-, Software- und Servicefähigkeit | Konkretes Modell, Fehlerbild und Partnernetz prüfen; Gebrauchtkauf-Checkliste nutzen |
| Du kaufst heute S6/S6 Open neu | Aktueller Kauf und aktuelle Garantie sind eigenständig zu bewerten | Garantie, Partnernähe, Serviceweg und aktuelle Produktbedingungen vor Bestellung prüfen |
Die größten Missverständnisse nach der VanMoof-Insolvenz
„VanMoof ist noch immer insolvent.“
Zu grob. Die damaligen Gesellschaften gingen 2023 insolvent; bestimmte Assets und die Marke wurden anschließend übernommen und unter neuer Führung weitergeführt. Heute werden wieder neue Fahrräder verkauft. Alt- und Neugesellschaft müssen deshalb getrennt betrachtet werden.
„McLaren hat einfach alle alten Schulden übernommen.“
Dafür gibt es keinen Beleg. Die Insolvenzverwalter dokumentieren einen Asset-Verkauf, und VanMoof selbst erklärt bei nicht gelieferten Altbestellungen, dass das neue Unternehmen ein anderes Unternehmen sei und keinen Zugriff auf die damaligen Gelder habe.
„Die 1.000-Euro-Geste ist eine Rückerstattung.“
Nein. Es handelt sich um eine freiwillige Kaufgeste für einen begrenzten Kreis zuvor registrierter Betroffener. Sie ersetzt das Insolvenzverfahren nicht und kann nicht für Reparaturen oder als Barerstattung genutzt werden.
„Ein altes S3 hat wegen des Neustarts wieder volle Herstellergarantie.“
Diese Schlussfolgerung wäre falsch. Der Wiederaufbau von Teilen und Service ist nicht dasselbe wie die Wiederbelebung eines alten Garantievertrags. Für konkrete Ansprüche zählt, wann, wo und bei welchem Rechtsträger das Fahrrad gekauft wurde und welche heutigen Bedingungen tatsächlich gelten.
„Viele Servicepartner beweisen, dass Serviceprobleme gelöst sind.“
Nein. Die Partnerzahl belegt Ausbau der Infrastruktur. Qualität und Wartezeit müssen lokal geprüft werden. VanMoof hat 2024 selbst über einen Reparaturrückstand berichtet; aktuelle einheitliche Deutschlandwerte zu Reparaturdauer oder Erstlösungsquote liegen öffentlich nicht vor.
Merksatz: Die Insolvenz von 2023 traf die alten VanMoof-Gesellschaften, nicht automatisch jeden heutigen Anspruch – trenne deshalb immer, in welcher Rolle du zu VanMoof kommst: als Altgläubiger, als Besitzer eines Legacy-Bikes, als Gebrauchtkäufer oder als heutiger Neukunde. Erst diese Einordnung entscheidet, welche Rechte, Risiken und Servicewege tatsächlich relevant sind.
Häufige Fragen
Ist VanMoof 2026 noch insolvent?
Die 2023 insolventen VanMoof-Gesellschaften und ihre Insolvenzverfahren sind von der heute weitergeführten Marke zu unterscheiden. Bestimmte Assets und die Marke wurden 2023 an McLaren Applied/Lavoie verkauft; das heutige VanMoof verkauft wieder neue Fahrräder unter neuer Führung.
Wer hat VanMoof nach der Insolvenz übernommen?
Die Transaktion wurde 2023 über McLaren Applied/Lavoie kommuniziert. VanMoofs heutige Unternehmensseite spricht von einer Übernahme durch McLaren Applied. McLaren Applied wurde 2025 in Motion Applied umbenannt.
Bekomme ich mein Geld für eine vor der Insolvenz nicht gelieferte Bestellung vom neuen VanMoof zurück?
VanMoof sagt selbst, dass das neue Unternehmen keinen Zugriff auf die damals gezahlten Gelder oder versprochenen Fahrräder hat. Solche Ansprüche liegen grundsätzlich beim alten Rechtsträger beziehungsweise im Insolvenzverfahren. Individuelle Ansprüche sollten mit den zuständigen Insolvenzstellen geprüft werden.
Kann ich 2026 noch die 1.000-Euro-Geste beantragen?
Nein. Neue Anträge werden seit Ende Oktober 2024 nicht mehr angenommen. Bereits bewilligte Codes sind laut VanMoof bis 31. Dezember 2027 gültig und nur für ein neues Bike im offiziellen Webshop einsetzbar.
Ist der 1.000-Euro-Code auf einen Gebrauchtkäufer übertragbar?
Nein. VanMoof beschreibt den Code als personengebunden und an Name sowie E-Mail-Adresse gekoppelt. Er ist nicht übertragbar und gilt nicht für gebrauchte Bikes, Zubehör, Reparaturen oder Services.
Gibt es für alte S3/X3 heute noch Ersatzteile?
Ja. VanMoof hat die Produktion beziehungsweise Versorgung wichtiger S3/X3-Ersatzteile wieder aufgenommen und veröffentlicht inzwischen empfohlene Teilepreise. Der tatsächliche Einbau und die Verfügbarkeit laufen über Servicepartner und können regional variieren.
Hat das S6 eine Garantie trotz der früheren Insolvenz?
Ja. VanMoof veröffentlicht für das S6 eine aktuelle dreijährige Garantie. Für Batterie, Motor und ECU nennt der Hersteller in Europa drei Jahre oder 7.500 Kilometer. Diese heutige Garantie ist von alten Vor-Insolvenz-Ansprüchen zu trennen.
Ist VanMoof nach der Übernahme wieder zuverlässig?
Das lässt sich nicht seriös mit einem pauschalen Ja oder Nein beantworten. Belegbar sind ein wieder aufgebautes Partnernetz, Ersatzteilversorgung, aktuelle Support- und App-Pflege sowie eine neue S6-Generation. Ob das für deinen Standort und dein Modell zuverlässig genug ist, muss anhand von Partnernähe, Reparaturweg, Garantie und persönlichem Risikoprofil geprüft werden.
Einordnung: wo die Angaben herkommen
Dieser Beitrag stützt sich auf die veröffentlichten Insolvenzverwalterberichte, offizielle VanMoof-Hilfeseiten und Unternehmensmitteilungen sowie auf unabhängige Wirtschafts- und Fachpresse. Alle Angaben wurden am 20.09.2026 live geprüft. Wo VanMoof selbst über sich spricht, ist das ausdrücklich als Eigendarstellung gekennzeichnet und nicht mit unabhängiger Berichterstattung gleichgesetzt.
Insolvenzverwalter und Register
- HVG Law – Bankruptcy VanMoof B.V., VanMoof Global Support B.V. and VanMoof Global Holding B.V. (Insolvenzverwalter-Bericht): eigene Recherche, 20.09.2026
- HVG Law – VanMoof bankruptcy reports / Agreement on sale (Insolvenzverwalter-Bericht): eigene Recherche, 20.09.2026
- Unternehmen24 – Handelsregisterauszug VANMOOF DE GmbH / Insolvenz (registerbasierte Sekundärquelle): eigene Recherche, 20.09.2026
Unabhängige Presse
- Handelsblatt – McLaren-Tochter Lavoie übernimmt VanMoof: handelsblatt.com
- Handelsblatt – VanMoof ist pleite: handelsblatt.com
- TechCrunch – Lavoie acquires VanMoof out of bankruptcy: techcrunch.com
- TechCrunch – VanMoof is back with S6 and rebooted repair network: techcrunch.com
VanMoof und Eigentümerumfeld, offiziell
- VanMoof Help – Bestellung vor der Übernahme, Lieferung/Rückerstattung: help.vanmoof.com (https://help.vanmoof.com/hc/en-us/articles/16297233770909)
- VanMoof Newsroom – Über VanMoof: vanmoof.com/news (https://www.vanmoof.com/news/en-GB/about/)
- Motion Applied – McLaren Applied becomes Motion Applied: motionapplied.com (https://motionapplied.com/news/mclaren-applied-becomes-motion-applied/)
- VanMoof Newsroom – Kulanzaktion für nicht belieferte Vor-Insolvenz-Kunden: vanmoof.com/news (https://www.vanmoof.com/news/en-GB/239478-the-new-vanmoof-offers-1000-discount-to-customers-whose-bikes-were-not-delivered-by-old-company/)
- VanMoof Help – 1.000-Euro-Geste, häufig gestellte Fragen: help.vanmoof.com (https://help.vanmoof.com/hc/de-de/articles/26841357371165-Unsere-1000-Geste-H%C3%A4ufig-gestellte-Fragen)
- VanMoof Help – VanMoof Archives: help.vanmoof.com (https://help.vanmoof.com/hc/de-de/articles/17720593594397-VanMoof-Archives)
- VanMoof Newsroom – Neues Service-/Vertriebsnetz: vanmoof.com/news (https://www.vanmoof.com/news/en-GB/235353-vanmoof-s-new-retail-and-service-network-reaches-over-50-locations-across-seven-countries/)
- VanMoof Blog – Update zur Ersatzteilverfügbarkeit: vanmoof.com/blog (https://www.vanmoof.com/blog/en/update-spare-parts-availability)
- VanMoof Help – App-Versionshinweise iOS: help.vanmoof.com (https://help.vanmoof.com/hc/en-us/articles/16646476004125-VanMoof-app-release-notes-iOS)
- VanMoof Help – Garantie & Support: help.vanmoof.com (https://help.vanmoof.com/hc/de-de/articles/28409389508125-Garantie-Support)
Hinweis: Dieser Beitrag liefert allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr (Stand: September 2026).
