Wissen · Werkstoff & Verbindung
Schraube löst sich immer wieder: Setzen, Losdrehen oder Vibration?
Du ziehst nach, kontrollierst ein paar Wochen später wieder – und die Mutter sitzt erneut lose. Dafür kommen drei ziemlich unterschiedliche Ursachen infrage, und jede braucht eine andere Antwort.
Kurz gesagt: Eine Schraube, die sich wiederholt löst, hat nicht automatisch ein Vibrationsproblem. Setzen senkt die Vorspannkraft ohne jede Drehung. Echtes Losdrehen braucht dagegen eine Querbewegung zwischen den geklemmten Bauteilen, und die banalste Ursache ist schlicht zu wenig Anzugsmoment von Anfang an. Welcher Mechanismus vorliegt, entscheidet, ob eine Federscheibe, ein Schraubensicherungslack oder eine selbstsichernde Mutter überhaupt etwas bringt.
Warum sich eine bereits angezogene Schraube überhaupt wieder löst
Du hast nachgezogen, vielleicht sogar mit einem kalibrierten Drehmomentschlüssel, und trotzdem sitzt dieselbe Schraube Wochen später wieder locker. Das Symptom ist jedes Mal identisch: eine Mutter, die sich mit der Hand drehen lässt, wo vorher spürbarer Widerstand war. Die Ursache dahinter ist es fast nie. Drei grundverschiedene Mechanismen können zu genau diesem Bild führen, und sie brauchen jeweils eine eigene Antwort. Wer sie verwechselt, tauscht am Ende die falsche Sicherung gegen das falsche Problem.
Wie eine Schraube überhaupt ihre Klemmkraft aufbaut und warum ein Drehmomentwert allein diese Kraft nicht garantiert, klärt der Beitrag Schrauben anziehen: warum Drehmoment nicht die Vorspannkraft garantiert. Dieser Beitrag hier setzt genau da an, wo jener endet, nämlich bei einer Verbindung, die einmal richtig saß und es später nicht mehr tut. Die Frage lautet nicht mehr, wie du anziehst, sondern warum die Verbindung ihre Kraft wieder verliert.
Setzen: wenn die Vorspannkraft sinkt, ohne dass sich etwas dreht
Jede neu montierte Schraubverbindung verliert in den ersten Stunden und Tagen einen Teil ihrer Vorspannkraft. Das passiert, ohne dass sich Schraube oder Mutter dabei auch nur minimal drehen. Verantwortlich dafür ist das sogenannte Setzen: Mikroskopische Rauheiten an der Kopfauflage, im Gewinde und in jeder dazwischenliegenden Trennfuge glätten sich unter der wirkenden Last plastisch. Jede dieser Flächen gibt dabei ein winziges Stück nach, im Bereich weniger Mikrometer je Fuge. Die Summe dieser kleinen Verluste senkt messbar die Klemmkraft, mit der die Verbindung ihre Bauteile zusammenhält.
Setzen ist deshalb kein Fehler der Montage, sondern ein normaler Vorgang, mit dem eine seriöse Auslegung von vornherein rechnet. Problematisch wird er erst, wenn die verbleibende Vorspannkraft nach dem Setzen unter das fällt, was die Verbindung im Betrieb tatsächlich braucht. Besonders anfällig sind Verbindungen mit weichen Zwischenlagen. Eine Dichtung, eine Unterlegscheibe aus weichem Material oder eine lackierte Fläche verhält sich dabei ähnlich wie eine zusätzliche Trennfuge und erhöht den möglichen Setzbetrag zusätzlich – auch Kontaktkorrosion an der Kontaktfläche kann den Setzbetrag auf dieselbe Weise vergrößern.
Der entscheidende Unterschied zum Losdrehen im nächsten Abschnitt: Eine reine Setzverbindung zeigt keinerlei Drehbewegung. Eine Markierung, die du vor der Montage über Schraubenkopf und Bauteil gezogen hättest, bliebe exakt an ihrem Platz. Trotzdem kann die Klemmkraft darunter spürbar gesunken sein. Dieser Zustand lässt sich mit bloßem Hinsehen kaum erkennen und wird erst über eine erneute Drehmoment- oder Vorspannkraftmessung sichtbar.
Losdrehen durch Vibration: der Junker-Effekt
Echtes Losdrehen ist ein anderer Vorgang als Setzen, auch wenn beide am Ende dieselbe Klemmkraft kosten. Namensgebend dafür ist der deutsche Ingenieur Gerhard Junker. Er untersuchte das Phänomen in den 1960er-Jahren systematisch und entwickelte dabei eine Testmethode, die heute als Junkertest bekannt ist und international nach DIN 65151 genormt wurde. Der Test bildet gezielt nach, was im Fahrzeugalltag an Fahrwerk, Motorlagern oder Anbauteilen tatsächlich vorkommt. Gemeint ist eine dynamische Querbewegung zwischen den geklemmten Bauteilen, nicht nur eine einfache Schwingung in Achsrichtung der Schraube. Wie stark ein Motorlager solche Querbewegungen überhaupt aufnimmt, hängt an seiner Bauart – Hydrolager und aktive Motorlager mit variabler Steifigkeit sind dafür ein eigenes Thema.
Diese Querbewegung ist der eigentliche Auslöser. Solange die Reibung zwischen den Gewindeflanken und unter dem Schraubenkopf hoch genug bleibt, bleibt die Verbindung stabil, selbst unter kräftiger Vibration in Längsrichtung. Verschieben sich die geklemmten Bauteile dagegen quer zueinander, kann die Reibung an bestimmten Punkten kurzzeitig zusammenbrechen. Genau in diesem Moment nutzt das Gewindesteigungsmoment die Gelegenheit, die Schraube um einen winzigen Winkel in Löserichtung zu drehen. Wiederholt sich das tausendfach im Betrieb, wandert die Schraube Schritt für Schritt tatsächlich heraus, bis am Ende nur noch wenig Klemmkraft übrig ist – dasselbe wiederholte Belastungsprinzip, das die Wöhlerkurve für Materialermüdung beschreibt.
Im Unterschied zum Setzen ist diese Bewegung mit einer Markierung nachweisbar. Ein einfacher Farbstrich über Kopf und Bauteil, vor der Montage aufgetragen, zeigt bei der nächsten Kontrolle einen sichtbaren Versatz, wenn sich die Schraube tatsächlich gedreht hat. Klassische Kandidaten für dieses Verhalten sind Verbindungen an Radaufhängung, Motor- und Getriebelagern oder Anbauteilen, die im Fahrbetrieb ständig kleinen Querkräften ausgesetzt sind. Welche Symptome ein verschlissenes oder gegen PU getauschtes Motor- oder Getriebelager selbst zeigt, erklärt ein eigener Beitrag zu Symptomen an Motor- und Getriebelagern.
Vergessen, unterschätzt, zu schwach angezogen: die dritte, banale Ursache
Neben Setzen und echtem Losdrehen gibt es eine dritte Ursache, die mit Physik wenig und mit Werkstattalltag viel zu tun hat. Die Schraube war von Anfang an nicht fest genug angezogen. Ein geschätzter statt gemessener Wert, ein falsch kalibrierter Drehmomentschlüssel oder schlicht ein übersehenes Exemplar in einer längeren Reihe reichen dafür völlig aus. In diesem Fall hat die Verbindung nie die Vorspannkraft erreicht, die sie für den Betrieb gebraucht hätte. Jede noch so kleine Last bringt sie danach schnell an ihre Grenze.
Dazu gehört auch das ausbleibende Nachziehen nach einer vorgeschriebenen Einlaufphase. Manche Hersteller verlangen bei bestimmten Verbindungen ausdrücklich eine zweite Kontrolle nach einigen hundert Kilometern, weil sich frisch montierte Bauteile in dieser Zeit noch etwas setzen. Wird dieser Schritt übersprungen, wirkt das Ergebnis wie ein technisches Versagen, ist in Wahrheit aber ein übersprungener Arbeitsschritt. Diese dritte Ursache braucht deshalb auch keinen zusätzlichen Sicherungsmechanismus, sondern schlicht ein sauberes Nacharbeiten nach Vorgabe.
Wie du am Bauteil unterscheidest, welcher Mechanismus vorliegt
In der Praxis hilft eine einfache Markierung mehr als jede Vermutung. Ein Punkt oder Strich mit Lack oder Farbstift über die Grenze von Schraubenkopf und Bauteil hilft dabei. Er zeigt bei der nächsten Kontrolle sofort, ob überhaupt eine Drehung stattgefunden hat. Bleibt die Markierung exakt deckungsgleich und lässt sich die Verbindung trotzdem spürbar leichter nachziehen, spricht das für Setzen. Ist die Markierung dagegen sichtbar versetzt, hat sich die Schraube tatsächlich gedreht, und die Ursache liegt eher bei Vibration und Querbewegung.
Eine Markierung allein beweist aber nicht automatisch, wie viel Klemmkraft noch übrig ist. Eine Schraube kann sich nur wenig gedreht und trotzdem schon deutlich an Vorspannkraft verloren haben, bevor sie überhaupt sichtbar aus der Position wandert. Wer es genau wissen will, prüft deshalb nicht nur die Markierung. Er zieht zusätzlich mit einem Drehmomentschlüssel vorsichtig nach und achtet darauf, ob sich die Schraube dabei noch weiter bewegt oder ob sie schon beim ursprünglichen Wert wieder greift. Dreht sie sich spürbar, bevor der Sollwert erreicht ist, war tatsächliches Losdrehen im Spiel. Bleibt sie praktisch fest und war nur der Widerstand zu gering, war es vermutlich Setzen.
Ein dritter Hinweis liegt im Muster: Löst sich dieselbe Verbindung an derselben Stelle wiederholt, nach jeder Kontrolle erneut, deutet das selten auf einen einmaligen Montagefehler hin. Dann steckt entweder ein Konstruktionsproblem, eine ungeeignete Sicherung oder eine tatsächliche Vibrationsquelle aus Unwucht, Lager oder Welle dahinter, die zuerst gefunden werden muss, bevor ein neues Sicherungselement überhaupt etwas bringen kann.
Federscheibe, Zahnscheibe: warum sie oft nicht sichern
Die klassische Federscheibe nach DIN 127 galt jahrzehntelang als naheliegende Antwort auf eine lockere Schraube. Inzwischen ist ihre Wirkungslosigkeit gegen genau das Problem, das sie lösen sollte, gut belegt. Die zugehörige Norm wurde 2003 zurückgezogen, nachdem sich gezeigt hatte, dass eine solche Scheibe bereits bei rund 5 Prozent der Nennvorspannkraft auf Block liegt. Danach wirkt sie nur noch wie eine gewöhnliche Unterlegscheibe, ohne jede Federwirkung, die einer Drehung entgegenwirken könnte.
Zahnscheiben stehen technisch nicht viel besser da. Ihr Formschluss über kleine, angeschrägte Zähne wirkt gegen leichte, statische Belastung. Er verliert seine Wirkung aber genau dort, wo sie im Fahrzeug am meisten gebraucht würde: unter dynamischer Querbelastung und Vibration. Für einfache, statisch belastete Verbindungen niedriger Festigkeitsklasse bleiben beide Scheibenarten unbedenklich, für sicherheitsrelevante oder stark schwingungsbelastete Schraubverbindungen taugen sie nach heutigem Kenntnisstand nicht.
Schraubensicherungslack wie Loctite: was er wirklich verändert
Anaerobe Schraubensicherungsklebstoffe, unter Markennamen wie Loctite bekannt, greifen an einer anderen Stelle an als jede mechanische Scheibe. Sie werden flüssig ins Gewinde aufgetragen. Ausgehärtet werden sie erst dort, wo kein Luftsauerstoff mehr hinkommt, also im engen Spalt zwischen den Gewindeflanken von Schraube und Mutter. Sie füllen diesen Spalt vollständig aus. Damit verhindern sie genau die winzige Relativbewegung zwischen den Flanken, die für echtes Losdrehen nach dem Junker-Mechanismus überhaupt erst nötig wäre.
Wichtig ist die Abstufung. Mittelfeste Produkte lassen sich später mit normalem Werkzeug wieder lösen, hochfeste Varianten dagegen praktisch nicht, ohne die Verbindung zu beschädigen oder zu erwärmen. Beide Varianten sichern gegen Vibration, tun aber nichts gegen eine ohnehin zu geringe Vorspannkraft oder eine schlecht ausgelegte Verbindung. Ein Klebstoff ersetzt keine korrekte Berechnung der Klemmkraft, er hält lediglich eine bereits richtig vorgespannte Schraube dort fest, wo sie hingehört.
Selbstsichernde Muttern: Klemmteil, Kronenmutter, Konstruktionslösung
Selbstsichernde Muttern haben einen Kunststoffeinsatz oder einen speziell verformten Gewindeabschnitt, wie sie unter anderem nach ISO 2320 genormt sind. Sie erzeugen ein definiertes zusätzliches Losdrehmoment, das unabhängig von der eigentlichen Vorspannkraft wirkt. Sie halten die Verbindung auch dann etwas fester, wenn die Klemmkraft aus anderen Gründen bereits gesunken ist. Deshalb gelten sie als deutlich zuverlässiger als eine reine Feder- oder Zahnscheibe. Wichtig ist dabei, dass eine solche Norm nur die Funktion der Mutter selbst beschreibt, nicht automatisch, ob sie für ein bestimmtes Fahrzeugbauteil freigegeben ist.
Noch konsequenter ist die formschlüssige Lösung über eine Kronenmutter mit Splint, wie sie an vielen Radlager- und Lenkungsmuttern verbaut wird. Hier verhindert ein durchgestecktes Sicherungselement die Drehung rein mechanisch, unabhängig davon, wie stark die Reibung im Gewinde gerade ist. Diese Bauweise braucht allerdings die passende Konstruktion von Anfang an. Eine Kronenmutter lässt sich nicht einfach nachträglich an eine Verbindung anbauen, die dafür nicht vorgesehen ist. Und keine dieser Lösungen ersetzt eine falsch dimensionierte oder falsch ausgelegte Schraubverbindung. Ein Sicherungselement hält eine korrekt konstruierte Verbindung zusätzlich fest, eine grundsätzlich fehlerhafte Auslegung heilt es nicht.
Wann eine gelöste Schraube sicherheitsrelevant wird
An Bremse, Lenkung, Fahrwerk, Rad oder Motor ist eine sich lösende Schraube kein bloßes Klappergeräusch, sondern ein Bauteil auf dem Weg zum Versagen. § 30 Absatz 3 StVZO verlangt deshalb ausdrücklich Kontrollierbarkeit, weil ein Bauteilversagen sich sonst erst an der Bruchfläche zeigt. Für die Verkehrs- oder Betriebssicherheit wichtige Fahrzeugteile, die besonders leicht abgenutzt oder beschädigt werden können, müssen einfach zu überprüfen und leicht auswechselbar sein. Eine Schraubverbindung, die sich unbemerkt setzt oder losdreht, unterläuft genau diesen Anspruch, wenn niemand sie in sinnvollen Abständen kontrolliert.
Tauschst du an so einer Stelle ein serienmäßiges Sicherungselement gegen ein anderes, etwa eine Kronenmutter gegen eine Klemmteilmutter oder umgekehrt? Das ist technisch gesehen ein Umbau am Fahrzeug, kein reiner Verschleißaustausch.
Umbauten am eigenen Fahrzeug. Ob ein Umbau auf öffentlichen Straßen betrieben werden darf, entscheidet der Genehmigungszustand des Fahrzeugs — die Genehmigung des Teils, der Einbau nach ihren Auflagen und, wo nötig, die Abnahme durch eine dafür zuständige Stelle. Solange diese Kette nicht vollständig ist, gehört der Umbau auf Privatgelände, Testflächen und in nicht öffentliche Bereiche.
Bei einem einfachen Ersatz durch ein baugleiches Originalteil stellt sich diese Frage in aller Regel nicht. Sobald aber ein anderes Sicherungsprinzip verbaut wird, lohnt vorher ein Blick darauf, ob dafür eine Abnahme nötig ist. Was passiert, wenn genau das übersehen wurde, beschreibt der Beitrag Änderungsabnahme nicht bestanden: Fehler systematisch beheben und neu vorführen.
Wiederverwendung: warum eine gelöste Sicherungsmutter nicht einfach zurückkann
Eine Klemmteilmutter verliert bei jedem Lösen und erneuten Aufdrehen einen Teil ihres definierten Losdrehmoments, weil sich der Kunststoffeinsatz oder das verformte Gewindesegment dabei geringfügig abnutzt. Viele Hersteller schreiben deshalb für sicherheitsrelevante Verbindungen ausdrücklich eine neue Mutter nach jedem Lösen vor, unabhängig davon, wie unbeschädigt das alte Teil noch aussieht. Ob eine bestimmte Mutter wiederverwendet werden darf, steht in der Bauteildokumentation, nicht im Bauchgefühl der Werkstatt.
Bei der Kronenmutter mit Splint liegt der Fall etwas anders. Die Mutter selbst darf meist mehrfach verwendet werden, solange Gewinde und Schlitze unbeschädigt sind. Der Splint dagegen ist praktisch immer ein Einwegteil und wird nach jedem Öffnen durch einen neuen ersetzt, weil er beim Herausziehen unweigerlich verbogen wird. Diese Unterscheidung, Mutter wiederverwendbar und Sicherungselement nicht, wird in der Praxis erstaunlich oft übersehen. Genau dort entsteht wieder eine der drei eingangs beschriebenen Ursachen für eine Schraube, die sich zu leicht löst. Ob ein bereits benutztes Bauteil überhaupt noch wiederverwendet werden sollte, ist ohnehin eine eigene Frage zwischen Gewährleistung und Verschleiß, die unabhängig vom Sicherungsprinzip beantwortet werden muss.
Was du selbst tun kannst, bevor die Werkstatt drankommt
Der erste sinnvolle Schritt ist selten das sofortige Nachziehen. Sinnvoller ist eine kurze Markierung an der betroffenen Schraube, dazu eine Kontrolle nach wenigen hundert Kilometern. Hat sie sich sichtbar gedreht? Oder ließ sie sich nur mit spürbar weniger Widerstand nachziehen, ohne dass die Markierung wandert? Diese einfache Beobachtung entscheidet bereits, in welche der beiden technischen Richtungen die Ursache zeigt, lange bevor irgendein Werkzeug zum Einsatz kommt.
Klappert oder vibriert ein Bereich des Fahrzeugs ohnehin schon spürbar, lohnt zusätzlich ein Blick auf die Schwingungsquelle selbst, nicht nur auf die einzelne Schraube. Eine strukturierte Eingrenzung solcher Ursachen beschreibt der Beitrag Vibration beim Beschleunigen: Antriebswelle oder Radlager? Er zeigt, wie sich mechanische Auslöser für Vibration systematisch eingrenzen lassen, bevor an ihr selbst irgendetwas verändert wird.
Löst sich dieselbe Verbindung trotz korrektem Anzugsmoment und passender Sicherung wiederholt, gehört sie in eine Werkstatt. Dort wird das zugrunde liegende Bauteil geprüft, nicht nur die Schraube selbst. Ein wiederkehrendes Problem an derselben Stelle ist fast immer ein Hinweis auf einen Systemfehler, keine Serie von Zufällen.
Merksatz: Eine locker gewordene Schraube ist ein Symptom, keine Diagnose. Ob sie sich gesetzt, tatsächlich losgedreht oder von Anfang an zu schwach angezogen wurde, entscheidet darüber, welche Sicherung überhaupt etwas bringt. Keine noch so gute Sicherung repariert eine falsch ausgelegte oder falsch angezogene Verbindung.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob sich eine Schraube gesetzt hat oder tatsächlich losgedreht ist?
Am einfachsten mit einer Markierung über Schraubenkopf und Bauteil vor der Montage. Bleibt sie exakt deckungsgleich und lässt sich die Verbindung trotzdem leichter nachziehen, war es Setzen. Ist die Markierung sichtbar versetzt, hat sich die Schraube tatsächlich gedreht.
Reicht einfaches Nachziehen, um eine locker gewordene Schraube dauerhaft zu sichern?
Nur, wenn die eigentliche Ursache dabei ebenfalls behoben wird. Nachziehen gleicht kurzfristig die verlorene Vorspannkraft aus, verhindert aber weder weiteres Setzen noch erneutes Losdrehen durch Vibration – beide Mechanismen wirken danach unverändert weiter.
Sind Federscheiben eine wirksame Schraubensicherung?
Für stark belastete oder sicherheitsrelevante Verbindungen nicht mehr. Die zugehörige DIN-Norm wurde 2003 zurückgezogen, weil eine Federscheibe schon bei rund 5 Prozent der Nennvorspannkraft auf Block liegt und danach nur wie eine gewöhnliche Unterlegscheibe wirkt.
Wie funktioniert Schraubensicherungslack wie Loctite?
Der Klebstoff wird flüssig ins Gewinde aufgetragen und härtet unter Luftabschluss zwischen den Gewindeflanken aus. Ausgehärtet füllt er den Gewindespalt vollständig aus und blockiert damit die winzige Relativbewegung, die für tatsächliches Losdrehen unter Vibration nötig wäre.
Darf ich eine selbstsichernde Mutter nach dem Lösen wiederverwenden?
Bei einer Klemmteilmutter meist nicht ohne Weiteres, weil der Kunststoffeinsatz oder das verformte Gewinde bei jedem Lösen etwas an Losdrehmoment verliert. Ob Wiederverwendung zulässig ist, steht in der Bauteildokumentation, nicht in einer allgemeinen Faustregel.
Welche Schrauben am Fahrzeug lösen sich am ehesten durch Vibration?
Besonders anfällig sind Verbindungen, die im Betrieb ständig kleinen Querbewegungen ausgesetzt sind, etwa an Radaufhängung, Motor- und Getriebelagern oder leichten Anbauteilen. Reine Längsschwingung ohne Querbewegung führt seltener zu echtem Losdrehen.
Was ist der Junker-Effekt?
Ein vom Ingenieur Gerhard Junker beschriebener Mechanismus, bei dem eine dynamische Querbewegung zwischen geklemmten Bauteilen die Reibung im Gewinde kurzzeitig überwindet und die Schraube dadurch in winzigen Schritten in Löserichtung dreht. Geprüft wird er nach dem international genormten Junkertest, DIN 65151.
Muss ich eine Kronenmutter mit Splint immer komplett neu einbauen?
Die Mutter selbst darf meist mehrfach verwendet werden, wenn Gewinde und Schlitze unbeschädigt sind. Der Splint dagegen wird beim Herausziehen fast immer verbogen und gehört deshalb nach jedem Öffnen ersetzt.
Einordnung: wo die Regeln stehen
Die Fundstellen stehen hier gebündelt, damit der Fließtext ohne Normzitate und Herstellerverweise auskommt. Dieser Beitrag ordnet drei technisch unterschiedliche Ursachen für eine sich lösende Schraubverbindung ein, ohne Aussage zu einem bestimmten Fahrzeugmodell oder einer konkreten Sollwertvorgabe. Herstellerquellen werden deshalb nur im Klartext benannt, nicht verlinkt – dieselbe Behandlung wie bei allen Herstellerquellen seit dem 7. September 2026. Amtliche Normtexte werden dagegen verlinkt.
Normquellen zu Fahrzeugteilen und Betriebserlaubnis
- § 30 Absatz 3 StVZO – gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__30.html. Am 19.09.2026 zeichengenau gegen den lokalen Abzug
reports/A11_2026-09-19/00_quellen/normen_2026-09-19/stvzo_30.txtgeprüft. Wortlaut: „Für die Verkehrs- oder Betriebssicherheit wichtige Fahrzeugteile, die besonders leicht abgenutzt oder beschädigt werden können, müssen einfach zu überprüfen und leicht auswechselbar sein.“ Grundlage für die Einordnung sicherheitsrelevanter Schraubverbindungen. - § 19 Absatz 3 StVZO – gesetze-im-internet.de/stvzo_2012/__19.html. Am 19.09.2026 zeichengenau gegen den lokalen Abzug
reports/A11_2026-09-19/00_quellen/normen_2026-09-19/stvzo_19.txtgeprüft. Wortlaut: „Abweichend von Absatz 2 Satz 2 erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs jedoch nicht, wenn bei Änderungen durch Ein- oder Anbau von Teilen 1. für diese Teile a) eine Betriebserlaubnis nach § 22 oder eine Bauartgenehmigung nach § 22a erteilt worden ist oder b) der nachträgliche Ein- oder Anbau im Rahmen einer Betriebserlaubnis oder eines Nachtrags dazu für das Fahrzeug nach § 20 oder § 21 genehmigt worden ist und die Wirksamkeit der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung nicht von der Abnahme des Ein- oder Anbaus abhängig gemacht worden ist oder 2. für diese Teile a) eine EWG-Betriebserlaubnis, eine EWG-Bauartgenehmigung oder eine EG-Typgenehmigung nach Europäischem Gemeinschaftsrecht oder b) eine Genehmigung nach Regelungen in der jeweiligen Fassung entsprechend dem Übereinkommen vom 20. März 1958 über die Annahme einheitlicher Bedingungen für die Genehmigung der Ausrüstungsgegenstände und Teile von Kraftfahrzeugen und über die gegenseitige Anerkennung der Genehmigung (BGBl. 1965 II S. 857, 858), soweit diese von der Bundesrepublik Deutschland angewendet werden, erteilt worden ist und eventuelle Einschränkungen oder Einbauanweisungen beachtet sind oder 3. die Wirksamkeit der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung dieser Teile nach Nummer 1 Buchstabe a oder b von einer Abnahme des Ein- oder Anbaus abhängig gemacht ist und die Abnahme unverzüglich durchgeführt und nach § 22 Absatz 1 Satz 5, auch in Verbindung mit § 22a Absatz 1a, bestätigt worden ist oder 4. (weggefallen) Werden bei Teilen nach Nummer 1 oder 2 in der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung aufgeführte Einschränkungen oder Einbauanweisungen nicht eingehalten, erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.“ Grundlage für die Einordnung eines getauschten Sicherungselements als genehmigungsrelevantes Teil.
Technische Quellen zu Setzen, Losdrehen und Schraubensicherung
- Wikipedia – Artikel „Schraubensicherung“. Am 19.09.2026 abgerufen. Unabhängige Übersichtsquelle zu Ursachen des Losdrehens (Setzen, Vibration, Querbelastung), zur Systematik kraft-, form- und stoffschlüssiger Sicherung sowie zur Bewertung von Federscheiben; nicht verlinkt, da nicht auf der Liste erlaubter externer Ziele.
- Wikipedia – Artikel „Federring“. Am 19.09.2026 abgerufen. Beleg für die Rücknahme der Norm DIN 127 im Jahr 2003 und die dokumentierte Wirkungslosigkeit von Federscheiben gegen Vibration; nicht verlinkt.
- konstruktionspraxis.vogel.de – Artikel „Warum lösen sich Schrauben?“. Am 19.09.2026 abgerufen. Fachredaktionelle Quelle zum Junker-Effekt, zum Junkertest nach DIN 65151 und zur Unterscheidung von Setzen und selbsttätigem Losdrehen; nicht verlinkt.
- Henkel/Loctite – Herstellerinformation „Threadlocking“. Recherchiert am 19.09.2026. Herstellerangabe zur Wirkungsweise anaerober Schraubensicherungsklebstoffe im Gewindespalt; als Herstellerquelle nur im Klartext genannt, nicht verlinkt.
- Bossard – technische Unterlagen zu Vorspannkraft, Reibung und ISO 2320. Herstellerquelle zur Systematik von Klemmteilmuttern, nicht im aktuellen Volltext gegengelesen; nur im Klartext genannt, nicht verlinkt.
Was hier bewusst fehlt
- Keine konkreten Losdrehmoment- oder Setzbetrag-Werte für ein bestimmtes Fahrzeugmodell – solche Werte sind bauteilspezifisch und lagen für kein konkretes Modell als belastbare Quelle vor.
- Keine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Schraubensicherungsprodukt oder einen bestimmten Hersteller.
- Keine Aussage zur DIN 25201 als Junkertest-Norm – die Recherche fand dafür ausschließlich Belege für DIN 65151, keine eigenständige Bestätigung für DIN 25201 im selben Zusammenhang.
- Keine Anleitung zum Lösen oder Demontieren einer konkreten Schraubverbindung – der Beitrag beschreibt Ursachen und Einordnung, keinen Montageschritt.
Hinweis: Dieser Beitrag liefert allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr (Stand: September 2026).
